Pankreatitis bei der Katze

Katzen mit einer Bauchspeicheldrüsenentzündung zeigen oft uneindeutige Symptome. Eine frühzeitige Diagnose fördert jedoch die Heilungschancen.

Katze mit Pankreatitis erhält Infusion © istockphoto, rarinlee

Die Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) der Katze ist eine schwer zu diagnostizierende Erkrankung. Obwohl sie sehr häufig vorkommt, sind die Symptome so uneindeutig, dass die Pankreatitis oft erst spät auffällt. Findet man die Ursache direkt, ist die Pankreatitis gut zu behandeln – sonst kann sich eine schwere Erkrankung entwickeln, die chronisch wird oder sogar tödlich enden kann. Eine intensive Behandlung der betroffenen Katze durch einen Tierarzt und eine Futterumstellung verbessern die Heilungschancen.

Was ist Pankreatitis bei Katzen?

Spricht man von einer Pankreatitis der Katze, ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung gemeint. Genaugenommen handelt es sich um eine Entzündung des sogenannten exokrinen Teils des Pankreas. 

Das Pankreas, also die Bauchspeicheldrüse, unterteilt sich in einen endokrinen und einen exokrinen Teil. Der endokrine Teil gibt Hormone, wie das im Zusammenhang mit dem Diabetes mellitus bekannte Insulin, in das Blut der Katze ab. Der exokrine Teil gibt den Pankreassaft in den Dünndarm ab. 

Diese Flüssigkeit enthält viele Enzyme, die Eiweiße, Kohlenhydrate und vor allem Fette spalten können. So gespaltene Nährstoffe können vom Darm aufgenommen werden, um dem Körper zur Verfügung zu stehen. Der Pankreassaft ist also notwendig für die Verdauung der Katze.

Wie äußert sich eine Pankreatitis bei Katzen?

Sowohl die akute als auch die chronische Form der Pankreatitis haben bei Katzen meist eine unbekannte Ursache. Traumata, zum Beispiel nach Fensterstürzen oder Verkehrsunfällen, können ein Auslöser sein. Ebenfalls mögliche Gründe sind chirurgische Eingriffe in die Bauchhöhle oder Fremdkörper im Darm, durch die das Pankreas gereizt wurde. Immer wieder werden verschiedene virale Infektionen als Auslöser diskutiert. Bisher gibt es dafür aber keinen Nachweis. 

Auch bestimmte Medikamente stehen im Zusammenhang mit der Entstehung einer Pankreatitis der Katze. Hierbei handelt es sich aber meist um verschreibungspflichtige Medikamente, wie Diuretika oder Chemotherapeutika.

Meistens lassen sich die Auslöser für eine Pankreatitis nicht mehr zurückverfolgen – man spricht dann von einer idiopathischen Pankreatitis.

Akute und chronische Pankreatitis

Da eine Pankreatitis bei Katzen oft unbemerkt beginnt und erst spät auffällt, ist der Übergang von der akuten Pankreatitis mit guten Chancen auf Heilung zur chronischen Form mit schlechten Heilungschancen in vielen Fällen fließend. 

Kommt es zum Beispiel durch ein Trauma zu einer Verletzung des Pankreas, können der Pankreassaft mit seinen verdauenden Enzymen austreten und das Pankreas selbst und das umliegende Gewebe verdauen. Es kommt zu einer akuten Entzündung und der Ausschüttung von Stoffen, genannt Zytokine, die den Prozess verschlimmern. Die Gallengänge und Teile des Darms sind häufig ebenfalls entzündet. 

In einem fortgeschrittenen Stadium kann es durch die Zytokine zu Auswirkungen auf den ganzen Körper der Katze kommen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Versagen der Lunge, der Nieren oder sogar des Herzens.

Pankreatitis erkennen: uneindeutige Symptome

Katzen reagieren mit unterschiedlichen Symptomen auf eine Pankreatitis. Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist stark schmerzhaft, was bei vielen Katzen zu Mattheit führt, sich aber auch in Unruhe äußern kann. 

Auffällig ist, wenn die Katze nicht frisst. Dies ist ein Symptom bei fast allen Katzen mit Pankreatitis. Selbst in schweren Fällen zeigen jedoch nur wenige Tiere Erbrechen. Durchfall ist hingegen häufig. Der Kot kann aufgrund des nicht verdauten Fettes heller und fettiger sein als gewöhnlich. 

Wenn Ihnen die genannten Symptome bei Ihrer Katze auffallen, sollte so schnell wie möglich ein Tierarzt aufgesucht werden. 

Diagnose von Pankreatitis bei Katzen

Beim Tierarzt können verschiedene Untersuchungen bei der Katze durchgeführt werden, um den Verdacht auf eine Pankreatitis zu erhärten: 

  • Ein Röntgenbild des Bauchraumes gibt Aufschluss über den Zustand der Bauchorgane. Allein anhand dessen lässt sich eine Pankreatitis aber nicht diagnostizieren. Dennoch ist es wichtig, einen Überblick über den Bauchraum zu bekommen und eventuell Fremdkörper zu finden.
  • Ein Ultraschall des Bauchraumes erlaubt eine genauere Betrachtung des Pankreas und kann Hinweise auf eine Entzündung geben. 
  • Herkömmliche Blutwerte sind nicht beweisend für eine Pankreatitis, da die Veränderungen sehr stark variieren. Bemerkenswert ist jedoch, dass ein niedriger Kalziumwert für einen schweren Verlauf mit Absterben von Teilen des Pankreas sprechen kann. 
  • Über einen speziellen Bluttest auf die sogenannte feline pankreatische Lipaseimmunreaktivität oder kurz fPLI kann nach den vorher genannten Diagnosemöglichkeiten die Pankreatitis nachgewiesen werden. Dazu wird noch beim Tierarzt ein Schnelltest durchgeführt. Ist dieser positiv, so wird Blut der Katze in ein Labor eingeschickt, um den Test zu bestätigen.

Wie behandelt man Pankreatitis bei Katzen?

Die Pankreatitis der Katze ist nur dann heilbar, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Dann erfolgt die Therapie der Pankreatitis in mehreren Schritten:

  • Falls eine erkennbare Ursache, wie zum Beispiel ein Fremdkörper, gefunden wurde, muss diese Ursache entfernt werden. In 90 Prozent der Fälle wird jedoch keine Ursache auffindbar sein, eine Operation ist dann zwecklos. 
  • Anschließend erfolgt eine symptomatische Therapie, die vor allem aus der intravenösen Gabe von viel Flüssigkeit durch einen Tierarzt besteht. Dabei muss überwacht werden, ob die Elektrolytwerte des Blutes sich verändern.
  • Gegen die Schmerzen der Entzündung sollten auch bei Katzen, die ihre Schmerzen verbergen, Schmerzmittel gegeben werden. Die Schmerzen führen häufig dazu, dass die Katze ihr Essen verweigert. Die Gabe von Schmerzmitteln sollte immer durch den Tierarzt erfolgen, da viele Schmerzmittel, die für Menschen gedacht sind, für Katzen sehr giftig sind. 
  • Die Gabe von Kortison zur Entzündungshemmung kann nützlich sein, um eine Entzündung zu begrenzen, vor allem wenn neben dem Pankreas auch die Gallengänge und der Darm entzündet sind.

Eine Gabe von Antibiotika erzielt dagegen keinen Vorteil in der Behandlung der Pankreatitis. Es kann sogar zu einer unvorteilhaften Verschiebung der Darmflora kommen.

Eine Therapie durch Homöopathie, zum Beispiel durch Globuli, ist bei Pankreatitis nicht zu empfehlen.

Umstellung der Ernährung wichtig

Essenziell wichtig für die Behandlung einer an Pankreatitis erkrankten Katze ist die Umstellung der Ernährung auf eine kohlenhydratreiche, aber fett- und proteinarme Diät. Dieses Futter sollte in vielen kleinen Mahlzeiten angeboten werden. Was zu füttern ist, kann Ihnen ein Tierarzt sagen. 

Frisst die Katze trotz Schmerzmittelgabe nicht, muss sie über eine Magensonde ernährt werden, da das Fasten auf Dauer die Leber der Katze schädigt. Bei einer Besserung der Erkrankung kann die Fütterung dann auf ein normales Fressen ohne Magensonde umgestellt werden. 

Das spezielle Katzenfutter sollte auch nach überstandener Erkrankung weiter gegeben werden. Wie lange dies nötig ist, ist abhängig davon, wie stark das Pankreas geschädigt wurde. In schweren Fällen ist sogar eine Futterumstellung für den Rest des Lebens notwendig.

Wie lange dauert eine Pankreatitis bei Katzen?

Die Behandlungsdauer einer Pankreatitis kann mehrere Wochen betragen. Zu Anfang ist eine Stabilisierung der Katze durch intensive Betreuung bei einem Tierarzt wichtig. In milden Fällen sind die Heilungschancen gut und die Katze kann nach einigen Tagen nach Hause, sofern sie regelmäßig dem Tierarzt zur Kontrolle vorgestellt wird. Nach einer Ausheilung ist die Lebenserwartung vergleichbar mit der einer gesunden Katze.

In schweren Fällen kann eine intensive Betreuung der Katze durch einen Tierarzt nicht mehr ausreichend sein. In einem so fortgeschrittenen Stadium ist die Prognose schlecht und eine Pankreatitis oft tödlich. Hier muss erwogen werden, die Katze als letzte Möglichkeit durch Euthanasie (einschläfern lassen) durch den Tierarzt zu erlösen.

Aktualisiert: 14.06.2017 – Autor: Karim Montasser

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