Headshaking beim Pferd – Symptom oder Krankheit?

Headshaking beim Pferd ist ein Symptom, das unterschiedlichste Ursachen haben kann. Zur Behandlung werden Medikamente oder ein Nasennetz verwendet.

Pferd leidet an Headshaking Syndrom © istockphoto, Edoma

Der Begriff Headshaking (zu Deutsch "Kopfschütteln") bezeichnet ein Symptom, bei dem Pferde unvermittelt und teils heftig mit dem Kopf schlagen und/oder ihn schütteln – ganz so, als wollten sie ein lästiges Insekt verscheuchen. Dies gehört eigentlich zum normalen, instinktiven Verhaltensmuster eines jeden Pferdes, wird aber zum Problem, wenn es unzeitgemäß, das heißt ohne erkennbaren Grund (wie beispielsweise das Insekt) auftritt. Zeigt ein Pferd plötzlich Headshaking und tritt dieses gehäuft auf, handelt es sich um ein abnormales Verhalten, das Ausdruck einer zugrundeliegenden Krankheit ist.

Headshaking kaum wissenschaftlich erforscht

Beschrieben wurde Headshaking erstmals 1987 von Lane und Mair und benennt ein klinisches Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Problematisch daran ist, dass das Headshaking vermehrt während des Reitens auftritt und dadurch nicht nur störend wirkt, sondern zur Gefahr für Pferd und Reiter werden kann. Das Pferd kann durch sein Kopfschütteln so abgelenkt sein, dass es stolpert oder Hindernisse übersieht und eventuell sogar stürzt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über das Headshaking Syndrom gibt es bisher nur wenige und die Therapie gestaltet sich schwierig.

Anzeichen für Headshaking beim Pferd

Abgesehen vom plötzlichen Schlagen mit dem Kopf gibt es noch einige weitere Symptome, die zum Headshaking Syndrom beim Pferd gehören:

  • vermehrtes Schnauben
  • Reiben der Nase oder Augen an den Vorderbeinen oder an Wänden
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Pollenflug und Insekten in der Luft
  • Verschlechterung der Symptome im Sommer

Bei einem Zunehmen der Symptome im Zusammenhang mit vermehrter Lichteinstrahlung – wie es im Sommer der Fall ist oder wenn das Pferd im Freien geritten wird – spricht man von einem Photic Headshaking.

Pferd hat Headshaking – wann und bei wem tritt es auf?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Headshaking ein Problem ist, welches oft nur beim Reiten auftritt und zu extremen Stress von Reiter und Pferd führen kann. Warmblutwallache im mittleren Alter (sieben bis zehn Jahre), die vorwiegend in der Dressur geritten werden, scheinen zwar besonders häufig betroffen zu sein, doch auch ein junges Pferd kann Headshaking zeigen.

Diagnosefindung bei Headshaking

Um dem Headshaking auf den Grund zu gehen, ist es sehr wichtig, genau zu beobachten, wann und unter welchen Bedingungen es vermehrt auftritt. Die sogenannte Anamnese (Erhebung des Vorberichts) ist ein wichtiger und hilfreicher Schritt auf dem Weg zur Diagnosestellung.

Hierbei sollte der Besitzer zusammen mit dem Tierarzt folgende Fragen klären:

  • Wann tritt das Headshaking auf (Reiten, Weide etc.)?
  • Wie oft und wie lange tritt das Headshaking auf?
  • Steht es im Zusammenhang mit einem bestimmten Ereignis (Impfung, Trauma, andere Erkrankung)?
  • Besteht ein Zusammenhang mit Witterungsbedingungen (Temperatur, Licht, Wind) oder Jahreszeiten?

Diese Fragen helfen herauszufinden, ob es sich zum einen tatsächlich um Headshaking handelt und zum anderen, worin die Ursache liegen könnte.

Echtes Headshaking oder andere Ursache?

Zeigt das Pferd Headshaking nur beim Reiten, können auch Probleme mit dem Sattel und/oder Zaumzeug eine Ursache sein. Schüttelt das Pferd vermehrt mit dem Kopf, könnten auch Rückenprobleme oder eine verkannte Lahmheit ebenso dahinterstecken wie Fehler des Reiters.

In diesen Fällen liegt kein Headshaking im eigentlichen Sinne vor, da es eine plausible Begründung für das Verhalten des Pferdes und einen unmittelbaren Bezug zu einem anderen Problem gibt (Pseudo-Headshaking). Die Ursache für das Kopfschütteln ist in diesem Fall also kein Schmerz oder Reiz im Bereich des Kopfes.

Ursachen für Headshaking beim Pferd

In der Fachliteratur sind bis zu 60 mögliche Ursachen für echtes Headshaking aufgeführt, wobei nur bei einem geringen Anteil der Fälle tatsächlich eine Ursache ermittelt werden kann. Allen gemeinsam scheint zu sein, dass es zu einer Reizung im Kopf- oder Halsbereich kommt, auf die das Pferd mit dem Schlagen des Kopfes reagiert.

Je nach Art der Ursache ist davon auszugehen, dass das Pferd unter starken Schmerzzuständen leidet (zum Beispiel wenn die Kopfnerven erkrankt sind).

Zu den wichtigsten bekannten Ursachen für Headshaking gehören:

  • Hauterkrankungen
  • Ohrmilben
  • Genickbeulen (Talpa)
  • Infektionen des Luftsackes
  • Mittelohrentzündungen
  • Iriszysten
  • Schädigung der Kopfnerven, vor allem des Nervus Trigeminus (Trigeminusneuralgie)
  • Rhinitis, Sinusitis (Entzündung der Nasenschleimhaut oder Nebenhöhlen)
  • Gefäßerkrankungen in den Nasengängen
  • Allergien, zum Beispiel Pollenallergie
  • Probleme an den Zähnen

Um herauszufinden, ob das betroffene Pferd an einer dieser Erkrankungen leidet, muss der behandelnde Tierarzt umfassende Untersuchungen durchführen. Zusammengenommen können diese Untersuchungen mit hohen Kosten verbunden sein.

In den Fällen, in denen keine schlüssige Ursache gefunden wird, spricht man von idiopathischem Headshaking.

Was tun bei Headshaking?

Wird beispielsweise eine Infektion des Luftsackes oder ein entzündeter Zahn festgestellt, kann dies behandelt und somit der Grund für das Headshaking behoben werden. Bei idiopathischem Headshaking ist eine gezielte Therapie nicht möglich.

Allerdings kann der Besitzer dem Pferd ein Netz beziehungsweise Nasennetz oder eine Maske über den Kopf ziehen, um das Headshaking unmittelbar zu reduzieren. Vor allem bei Headshaking, das auf einer neuronalen Erkrankung beruht, zeigt diese Maßnahme häufig eine lindernde Wirkung.

Warum genau solche Masken helfen können, ist allerdings nicht erforscht – vermutet wird, dass das Netz als eine Art Filter wirkt und die Reizung der Nerven durch äußere Einflüsse reduziert. Man sollte sich jedoch bewusst machen, dass diese Maßnahme nicht den Ursprung der Reizung behebt.

Medikamente zur Behandlung von Headshaking

Folgende Medikamente werden von Tierärzten eingesetzt, um die Symptome des Headshaking Syndroms beim Pferd zu mildern:

  • Kortikosteroide
  • Carbamazepin
  • Cyproheptadin

Kortikosteroide wirken unter anderem entzündungshemmend; bei Carbamacepin handelt es sich um ein Medikament aus der humanen Epilepsietherapie. Cyproheptadin ist als Antiallergikum klassifiziert, wirkt bei Headshaking jedoch nicht über die Hemmung der Histaminausschüttung, sondern durch seine dämpfende Wirkung auf die Neurotransmitter des Gehirns.

Es gibt unterschiedliche Berichte über die Behandlungserfolge mit den jeweiligen Wirkstoffen. Bei Absetzen der Medikamente kann es zu Rückfällen kommen. Welche Präparate für das jeweilige Pferd funktionieren, muss individuell erprobt werden. Die medikamentöse Therapie sollte konstant vom Tierarzt überwacht werden. Wenn der Besitzer die Medikamente absetzen möchte, sollte dies nur nach Rücksprache und auf Empfehlung des Tierarztes geschehen.

Headshaking mit alternativen Verfahren behandeln

Abgesehen von der schulmedizinischen tierärztlichen Behandlung gibt es auch einige alternative Behandlungsansätze für die Therapie von Headshaking:

  • Homöopathie
  • Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
  • Bioresonanz

In der Homöopathie wird zur Behandlung des Headshaking Syndroms beim Pferd das antiallergisch wirkende Alleosal® eingesetzt. Zu den Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin gehört zum Beispiel Akupunktur. Das Ziel dieser Maßnahmen liegt darin, die natürliche Selbstheilungskraft des Körpers zu stärken.

Die Bioresonanztherapie beruht auf einer Methode, bei der mit einem Gerät elektromagnetische Schwingungen im Körper gemessen und so Störungen in der Frequenz dieser Schwingungen festgestellt und behoben werden können.

Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt.

Besteht der Verdacht, dass ein Pferd unter Headshaking leidet, sollte der Besitzer in jedem Fall einen Tierarzt hinzuziehen, um das Pferd gründlich untersuchen zu lassen und mit ihm zusammen das weitere diagnostische Vorgehen oder mögliche Therapieansätze zu besprechen.

Aktualisiert: 31.05.2017 – Autor: Pia Fraté

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