Pilz beim Pferd: Pilzerkrankungen erkennen 

Hautpilz ist eine häufige Hauterkrankungen beim Pferd, doch auch Lunge oder Darm können befallen sein. Eine Pilzinfektion verursacht meist typische Symptome.

Pferd mit Hautpilz am Kopf © istockphoto, pipalana

Verschiedene Pilze gehören zu der natürlichen Flora der Haut, des Darms und auch der Atemwege des Pferdes. Bei einem geschwächten Immunsystem oder anderen Vorerkrankungen kann es aber auch beim Pferd zu einer Pilzerkrankung kommen. Während Infektionen mit Pilzen in der Lunge oder im Darm eher selten sind, treten Pilzerkrankung der Haut bei Pferden häufig auf. Hautpilz ist sowohl für andere Pferde als auch für Menschen ansteckend. Ein Befall mit Pilz sollte deshalb schnell erkannt und weiteren Ansteckungen vorgebeugt werden. Erfahren Sie, was zu einem Pilzbefall beim Pferd führt und wie Sie eine Pilzerkrankung bei Ihrem Pferd erkennen.

Pilze als natürliche Flora beim Pferd

Pilze gehören – ebenso wie Bakterien – zu der natürlichen Flora von Mikroorganismen, die auf der Haut, im Magendarmtrakt und zum Teil auch in der Lunge der Pferde leben. Sie sind eine wichtige Unterstützung des Abwehrsystems des Körpers und helfen dabei, eine Ansiedlung von schädlichen Pilzen und Bakterien zu verhindern. 

Dementsprechend ist es normal, bei einer medizinischen Untersuchung bis zu einem gewissen Grad auch beim gesunden Pferd Pilze festzustellen. Ein solcher Pilzbefund spricht nur dann für eine wirklich durch Pilze verursachte Erkrankung, wenn das Pferd auch klinische (sichtbare) Symptome einer Pilzerkrankung zeigt. Im Zweifel ist eine gründlichere Untersuchung des Pferdes durch den Tierarzt nötig.

Wann erkrankt ein Pferd an Pilz?

Obwohl Pilze zu der natürlichen Flora des Pferdes gehören, kann es unter bestimmten Umständen zu einer Pilzerkrankung beim Pferd kommen. Dies ist vor allem der Fall, wenn das Immunsystem des Pferdes aus irgendeinem Grund geschwächt ist. 

Das natürliche Gleichgewicht der Mikroorganismen gerät aus den Fugen und führt zu einem übermäßigen Wachstum der vorhandenen Pilze oder einem Pilzbefall mit schädlichen Pilzen. Eine verletzte Haut beispielsweise ermöglicht es Pilzen, in die tieferen Schichten der Haut einzudringen und zu den Symptomen eines Hautpilzes zu führen. 

Typische Ursachen einer Pilzerkrankung

Folgende Ursachen begünstigen eine Pilzerkrankung beim Pferd: 

  • Schwächung des Immunsystems durch die lange Gabe von Medikamenten wie Kortison oder Antibiotika oder auch bei anhaltendem Stress
  • Vorerkrankungen wie bakterielle Infektionen der Lunge, Darmentzündungen oder kleine Verletzungen der Haut
  • Stallhaltung und ständiger Kontakt mit großen Mengen an Pilzen und Pilzsporen etwa durch schimmelige Einstreu oder schlechte Lüftung des Gebäudes
  • Mangelhafte Futterqualität, vor allem des Raufutters oder auch Getreides
  • Gruppenhaltung von Pferden
  • Eine warme, feuchte Umgebung 
  • Besonders junge Pferde bis zu vier Jahren neigen eher zu einer Pilzerkrankung, da ihr Immunsystem häufig noch nicht ganz ausgereift ist

Die besondere Schwierigkeit bei einem Pilz beim Pferd besteht vor allem darin, nicht nur den Pilzbefall zu behandeln, sondern auch die Ursache zu beseitigen und so eine immer wiederkehrende Infektion zu verhindern.

Hautpilz beim Pferd erkennen

Zu den wichtigsten infektiösen Pilzen beim Pferd gehören bestimmte Unterarten von Trichophyton und Microsporum. Beide Pilze treten weltweit auf und verursachen bei Pferden Hautpilz. Der Tierarzt bezeichnet eine solche Pilzerkrankung als Dermatomykose. 

Im Fell und auf der Haut der Pferde führt ein Befall mit diesen Pilzen zu verschiedenen krankhaften Veränderungen. Der Verdacht auf Hautpilz bei einem Pferd besteht, wenn eines oder mehrere der folgenden Symptome auf der Haut zu erkennen sind:

  • kreisrunde, struppige Haarstellen
  • Haarausfall nach etwa eineinhalb Wochen: Die kahlen Stellen sind zunächst kreisrund, nur wenige Zentimeter groß, können sich aber zu mehr als handtellergroßen Flächen ausbreiten. Die betroffenen Stellen sind von dem natürlichen Haarverlust beim Fellwechsel zu unterscheiden.
  • Eventuell kahle, gerötete oder auch blutige Scheuerstellen durch Juckreiz
  • Mitunter kleine, feste Knoten in der Haut von unterschiedlicher Größe
  • Krusten und lose Hautschuppen

Manchmal ist an den betroffenen Stellen nach dem Haarausfall eine silbrige Hautfarbe zu erkennen. Dies ist ein Zeichen für eine beginnende Abheilung der Pilzerkrankung. 

Die häufigsten Stellen mit Pilzbefall beim Pferd

Hautpilz kann beim Pferd an einzelnen Stellen oder auch generalisiert über den ganzen Körper verteilt auftreten. Besonders häufig zeigt sich der Hautpilz an folgenden Bereichen des Pferdekörpers:

  • in der Sattel- und Gurtlage: Hier schwitzt das Pferd häufig und kommt immer wieder mit der Satteldecke und dem Gurt in Kontakt. Da diese meistens nicht nach jedem Tragen gewaschen werden, können sich Pilzsporen daran befinden. Pilze bevorzugen diese feuchte, warme Umgebung.
  • am Kopf: Auch unter Trense und Halfter schwitzen Pferde. Zudem nehmen sie mit der Nase den ersten Kontakt mit anderen Pferden auf und können sich so leichter bei Pferden mit Pilzbefall anstecken.
  • an der Schulter 
  • im Bereich der Achsel und der Kniefalte: Die Hautfalten bieten eine warme, leicht feuchte Umgebung, die häufig beim Putzen vernachlässigt wird und in der die Pilze gut wachsen und sich ausbreiten können. 

Seltener kann sich eine Pilzerkrankung auch am Bein des Pferdes entwickeln, vor allem am Röhrbein (unter Gamaschen und Bandagen).

Hautpilz bei Pferden ist ansteckend

Ein Befall mit Hautpilz ist nicht nur für andere Pferde ansteckend, sondern auch auf Menschen übertragbar. Besonders kleine Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten möglichst keinen Kontakt zu den erkrankten Pferden haben. 

Auch beim Menschen gehören Pilze zu der normalen Flora der Haut. Ein gesunder Mensch wird sich deshalb meist nicht sofort bei ein- oder auch mehrmaligem Kontakt mit einem an Pilz erkrankten Pferd anstecken. Trotzdem sollte Hautpilz beim Pferd so schnell wie möglich behandelt werden.

Zudem sollte man sich bewusst machen, wie lange der Pilz ansteckend ist. Denn das Pferd bleibt meist über mehrere Wochen ansteckend, auch nachdem die letzten Symptome der Pilzerkrankung abgeklungen sind. Ebenso wie bei einer bakteriellen Infektion sollte die Behandlung über diesen Zeitpunkt hinaus fortgesetzt werden. So lässt sich einer sofortigen Reinfektion mit noch vorhandenen Pilzsporen vorzubeugen.

Wie wird ein Pilz übertragen?

Die Übertragung einer Pilzerkrankung beim Pferd erfolgt durch die Pilzsporen, die von Pferd zu Pferd oder auch auf den Menschen transportiert werden. Bei Pilzerkrankungen kann eine direkte oder indirekte Ansteckung erfolgen. 

Zu den wichtigsten Übertragungswegen gehören:

  • die direkte Ansteckung durch Kontakt der Pferde mit dem erkrankten Pferd, vor allem in einer Gruppenhaltung
  • die indirekte Ansteckung durch Sattel- und Putzzeug, Geschirr (beim Fahren der Pferde verwendete Leinen) oder durch den Menschen, der verschiedene Pferde anfasst

Pilzerkrankungen in der Lunge und im Darm

Pilzbefall als primäre Ursache einer Lungenerkrankung beim Pferd ist sehr selten. Meist treten bakterielle Infektionen auf, die das Gewebe der Lunge schwächen und so erst in der Folge auch eine Ansiedlung von Pilzen ermöglichen. Die Symptome einer solchen Pilzinfektion unterscheiden sich meist nicht von den Symptomen einer bakteriellen Infektion der Lunge. 

Bei jungen Pferden und Fohlen wird mitunter ein Pilzbefall der Lunge festgestellt. Für diese Diagnose ist allerdings eine aufwendige Untersuchung durch den Tierarzt mit Lungenspülung, Laboruntersuchungen, Ultraschall und Röntgen nötig. Pferde infizieren sich durch das Einatmen der Pilzsporen. Bisher ist davon auszugehen, dass Pilzerkrankungen der Lunge nicht vom Pferd auf den Menschen übertragen werden.

Auch Pilzerkrankungen des Darms treten in der Regel nur dann auf, wenn der Darm bereits durch eine vorangegangene Entzündung oder andere Erkrankung geschädigt wurde. Eine Pilzinfektion im Darm ist sehr schwierig festzustellen und kommt generell beim Pferd selten vor.

Pilzbefall von anderen Erkrankungen abgrenzen

Nicht immer ist ein Pilz die Ursache für Veränderungen der Haut des Pferdes. Auch bestimmte Viren oder Parasiten können die Haut des Pferdes infizieren und zu Symptomen führen, die sich mitunter kaum oder gar nicht von einem Pilzbefall unterscheiden lassen. 

Hier sind meist weitere Untersuchungen wie Abstriche oder Biopsien (Entnahme kleiner Hautproben zur weiteren Untersuchung) nötig. Im Labor oder unter dem Mikroskop können eventuell vorhandene Pilze dargestellt werden. 

Erkrankungen, die einem Pilz beim Pferd ähneln

Zu den wichtigsten Erkrankungen, die einem Pilzbefall beim Pferd ähneln können, zählen unter anderem:

  • Warzen am Maul (Papillomatose): Durch die Infektion mit einem Virus entstehen knotige, feste Warzen am Maul, an den Lippen und auch am übrigen Kopf des Pferdes. Diese Warzen sind kaum ansteckend und bilden sich bei jungen Pferden im Alter von etwa drei bis vier Jahren häufig spontan zurück. Eine wirksame Therapie gibt es nicht.
  • Krusten im Ohr (Aural plaques): Diese Erkrankung beim Pferd wird ebenfalls durch ein Virus verursacht. Im Ohr des Pferdes bilden sich weißlich-gräuliche Krusten, Knötchen und Borken, die teilweise zerbröseln und das ganze Innere der Ohrmuschel ausfüllen können. Manche Pferde lassen sich dann nur ungern an den Ohren anfassen. Weder eine spontane Rückbildung noch eine Therapie sind möglich. Die Erkrankung wird vermutlich durch Fliegen übertragen. 
  • Krusten an den Beinen (Milben): Krusten, haarlose Stellen und Schorf am Bein des Pferdes sind ein häufiges Symptom für einen Befall mit Räudemilben. Durch ein Hautgeschabsel (Abschaben eines kleinen Hautstücks) können die Milben unter dem Mikroskop nachgewiesen werden. 

Im Zweifel ist bei Verdacht auf einen Pilz beim Pferd stets ein Tierarzt zurate zu ziehen. Eine gründliche Untersuchung des Pferdes führt zu einer sicheren Diagnose, auf deren Grundlage eine Behandlung erfolgreich durchgeführt werden kann.

Aktualisiert: 08.02.2019 – Autor: Nicole Kreutzfeldt

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