PSSM beim Pferd – Erbkrankheit der Muskeln

PSSM ist eine Erbkrankheit beim Pferd, die extremen Muskelschmerz bei Belastung verursacht. Die Symptome können durch Fütterung und Haltung behandelt werden.

PSSM bei einem Appaloosa-Pferd © istockphoto, Carmelka

PSSM ist eine erbliche Pferdekrankheit des Muskels, die gehäuft bei bestimmten Rassen vorkommt. Erkrankte Pferde erleiden je nach Haltung und Fütterung unterschiedlich häufig Anfälle, die dem "Kreuzverschlag" ähneln. Obwohl die Krankheit nicht heilbar ist, können betroffene Pferde bei richtiger Haltung und Fütterung nahezu normal leben und als Reitpferde genutzt werden. 

Was ist PSSM?

PSSM ist die Abkürzung für die genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung "Polysaccharid Speicher Myopathie", also eine Polysaccharid-Speicherkrankheit der Muskulatur. Bei dieser Krankheit werden Polysaccharide, also Zuckermoleküle, nicht richtig verstoffwechselt, sondern übermäßig in der Muskulatur des Pferdes gespeichert. Dies betrifft insbesondere die sogenannten Typ 2-Muskelfasern, die schnell und kraftvoll arbeiten.

Diese fehlerhafte Speicherung führt dazu, dass die Erregungsweiterleitung im Muskel gestört wird und es letztendlich zum Zelluntergang, also zum Absterben der Zellen, kommen kann. Dabei entsteht ein extremer Muskelschmerz und Muskelfarbstoff, sogenanntes Myoglobin, wird frei.

Symptome von PSSM

Diese Mechanismen lösen bei Belastung der Muskulatur eine deutliche Symptomatik aus, welche sich je nach Schweregrad des Anfalls unterscheidet. Die Symptome entsprechen denen der belastungsinduzierten Myopathie, die im Volksmund auch als "Kreuzverschlag", "Lumbago", oder "Feiertagskrankheit" bezeichnet wird. 

Bei milden Anfällen treten erste Symptome kurz nach einer Belastungseinheit auf (nach etwa zehn Minuten). Das betroffene Pferd zeigt oft einen aufgekrümmten Rücken, überstreckte, steife Hintergliedmaße und Bewegungsunlust. Es kann ebenfalls zu leichten Koliken kommen. 

Bei mittelstarken Anfällen treten erste Symptome bereits während der Arbeit, etwa 20 Minuten nach Beginn, auf. Der Gang versteift sich, das betroffene Pferd bleibt häufig stehen und beginnt zu schwitzen. Die Muskulatur im Rücken, der Kruppe und den Hinterbeinen ist auffällig hart. 

Auch erste Symptome eines schweren Anfalls äußern sich bereits während der Belastung. Hierbei zeigt das Pferd massiven Schweißausbruch, der zu Dehydratation führen kann, sowie Anzeichen einer Kolik und Bewegungsunfähigkeit. Die Muskulatur des Rückens, der Kruppe und Hinterbeine ist hochgradig schmerzhaft, zudem zittern betroffene Pferde häufig.

Hinzu kommen oftmals eine erhöhte Körpertemperatur, Kreislaufschwäche und das Absetzen kaffeebraunen Harns. Diese Dunkelfärbung des Urins ist auf das Freiwerden des Muskelfarbstoffs Myoglobin bei massiver Schädigung von Muskelfasern zurückzuführen und wird Myoglobinurie genannt.

Diagnose: Hat mein Pferd PSSM?

Kommt es bei einem Pferd wiederholt zu belastungsinduzierten Myopathien mit oben genannter Symptomatik, kann es sinnvoll sein, zu überprüfen, ob ein Gendefekt vorliegt. PSSM ist eine Erbkrankheit, die gehäuft bei Rassen wie Quarter Horses, American Paint Horses, Appaloosas und Kaltblutrassen wie Norikern vorkommt, selten sind auch andere Warmblutpferde oder Vollblüter betroffen. 

Der Erbgang der Krankheit ist "autosomal-dominant". Das bedeutet, dass ein Pferd, das sowohl vom Vater als auch von der Mutter ein defektes Gen erhalten hat, ein extrem hohes Risiko hat, an PSSM zu erkranken und das Gen außerdem zu 100 Prozent an seine Nachkommen weitergeben wird. Das Pferd ist ein sogenannter Doppelgenträger.

Hat das Pferd lediglich von einer Seite ein defektes Gen erhalten, ist es ein sogenannter Einzelgenträger. Dann ist sein Risiko, an PSSM zu erkranken, erhöht. Außerdem wird es den Defekt mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an seine Nachkommen vererben.

Typen von PPSM

Es werden zwei verschiedene Typen von PSSM unterschieden, bei denen verschiedene Gene betroffen sind. Dabei ist Typ 1 (PSSM1) mit circa 90 Prozent der Fälle weitaus häufiger. Diese Form von PSSM tritt eher bei stark bemuskelten Pferden wie Morgan Horses, Paint Horses und einigen Kaltblutrassen auf. 

Der Typ 2 (PSSM2) betrifft hingegen eher leicht bemuskelte Pferderassen wie Araber, Quarter Horses im Vollblut-Typ oder leichte Warmblüter.

PSSM-Verdacht mittels Testverfahren abklären

Ein Gentest, für den entweder eine Blutprobe oder Mähnen- beziehungsweise Schweifhaare (mit Haarwurzel) benötigt werden, kann den Verdacht auf PSSM Typ 1 abklären. Zu dem benötigten Material sowie den Kosten des Tests kann der behandelnde Tierarzt befragt werden. Dieser berät auch zu den Möglichkeiten, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren, sollte der Test positiv ausfallen. 

Beim Gentest auf PSSM Typ 1 sind folgende Ergebnisse möglich:

  • Genotyp N/N: kein Gendefekt (Test negativ)
  • Genotyp N/PSSM: Einzelgenträger
  • Genotyp PSSM/PSSM: Doppelgenträger

Ist der Test trotz der Symptome negativ, könnte möglicherweise PSSM Typ 2 vorliegen. Diese Form der Krankheit kann bislang nicht mittels eines Gentests erkannt werden, da das entsprechende Gen noch nicht identifiziert ist. Hier ist es nötig, eine Muskelbiopsie (eine kleine Gewebeprobe aus der Muskulatur) zu entnehmen und untersuchen zu lassen.

Symptome von PSSM behandeln und Anfällen vorbeugen

Der Gendefekt, der bei einem Pferd zu PSSM führt, lässt sich nicht heilen. Jedoch kann den Anfällen durch eine angepasste Fütterung (Diät), angemessenes Training und gute Haltungsbedingungen vorgebeugt werden. Auf diesem Weg können die Lebensqualität und Lebenserwartung des betroffenen Pferdes annähernd normal erhalten werden.

Die Ernährung eines Pferdes mit PSSM sollte besonders im Hinblick auf die Energiequelle umgestellt werden. Ratsam ist ein Verzicht auf stärke- und zuckerreiche Futtermittel, wie Getreide oder melassierte Produkte. Besteht bei Pferden zusätzlich zum Erhaltungsbedarf, der weitgehend mit Raufutter (zum Beispiel Heu) gedeckt werden sollte, ein erhöhter Energiebedarf, kann Pferdefutter mit erhöhtem Fettanteil eingesetzt werden. Solche Futtermittel sind unter anderem Pflanzenöle oder Reiskleie.

Neben einer bedarfsgerechten Energiezufuhr ist ebenfalls auf eine ausreichende Versorgung des Pferdes mit Nährstoffen, insbesondere Vitamin E, zu achten. Ein guter Vitamin E-Lieferant ist zum Beispiel Luzerne. Darüber hinaus kann ein hochwertiges Mineralfutter den Bedarf an Nährstoffen decken.

Zusätzlich zur angepassten Fütterung sollte die Behandlung von PSSM betroffener Pferde durch regelmäßige, dem Trainingsstand entsprechende Bewegung ergänzt werden. Sowohl gezieltes Training beim Reiten als auch der Gang auf die Weide können hierzu beitragen.

Eine langfristige Therapie mit Medikamenten ist nicht angezeigt, in akuten Fällen kann der Tierarzt jedoch entzündungshemmende und schmerzlindernde Mittel verabreichen.

Hilfe bei einem akuten PSSM-Anfall

Werden bei einem Pferd eines oder mehrere der typischen Symptome eines Anfalls beobachtet, muss sofort ein Tierarzt verständigt werden. Zu den Anzeichen eines akuten PSSM-Anfalls gehören:

  • Bewegungsunlust bis -unfähigkeit während oder kurz nach Belastung
  • Steifheit der Hintergliedmaße
  • Verhärtete Muskulatur im Rücken und der Kruppe
  • Übermäßiges Schwitzen
  • Zittern
  • Symptome einer Kolik
  • Dunkler Harn

Bis der Tierarzt eintrifft, sollte das Pferd möglichst wenig bewegt werden. Außerdem sollte man das Pferd eindecken und genügend Wasser bereitstellen, um einer möglichen Dehydratation vorzubeugen. 

Folgen von PSSM

Durch eine Laboruntersuchung von Blut und Harn kann der Tierarzt nach einem Anfall das Ausmaß der entstandenen Muskelschädigung einschätzen. PSSM-Anfälle schwächen das betroffene Pferd, der Muskel kann sich jedoch – je nach Ausprägung der Schädigung – regenerieren. Besonders schwere Anfälle können ohne die richtige Behandlung allerdings lebensbedrohlich sein.

Wird auf eine angemessene Fütterung und Haltung geachtet, kann ein Pferd trotz PSSM ein langes und nahezu normales Leben führen. Trotzdem ist die Krankheit, die unerkannt lebensbedrohlich für das Pferd sein kann, nicht zu unterschätzen und von einem Einsatz in der Zucht ist bei Genträgern unbedingt abzusehen.

Aktualisiert: 19.06.2018 – Autor: Christina Schleich

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