Sommerekzem beim Pferd – Was hilft wirklich?

Sommerekzeme bei Pferden lassen sich mit der richtigen Therapie erfolgreich behandeln. Kortison und Hausmittel helfen, die Symptome zu lindern.

Pferd mit Sommerekzem trägt Ekzemerdecke © istockphoto, ttretjak

Das Sommerekzem beim Pferd wird im Englischen auch "sweet itch" genannt, übersetzt also "süßes Jucken", ist aber für Pferde und ihre Besitzer alles andere als süß. Denn die bei Pferden verbreitete Allergie bereitet Mensch und Tier oft anstrengende Sommermonate. Deutlichstes Symptom des Ekzems ist starker Juckreiz, weshalb sich betroffene Pferde nicht selten die Haut blutig scheuern. Aus diesem Grund ist das Interesse an helfenden Mitteln groß, mit denen man Abhilfe verschaffen kann. Doch was tun gegen das lästige Sommerekzem?

Was ist die Ursache eines Sommerekzems?

Das Sommerekzem beim Pferd entsteht aufgrund einer allergischen Reaktion der Haut infolge eines Stichs von Vertretern der Mückenspezies Culicoides, auch bekannt als Gnitzen, Stechmücken, Kniebel- oder Sandmücken. Wenn die Insekten bei dem Pferd Blut saugen, infizieren sie die Wunde mit ihrem Speichel und den darin enthaltenen Substanzen. Diese lösen bei manchen Pferden eine starke Reaktion des Immunsystems aus. 

Der Name Sommerekzem rührt daher, dass die Mücke vor allem in den Monaten Mai bis Oktober aktiv ist und schwülwarmes, windarmes Klima bevorzugt. Prinzipiell können alle Pferde jeglicher Rassen und Alters am Sommerekzem erkranken, jedoch ist das Island-Pony besonders häufig davon betroffen.

Da es sich um eine individuelle allergische Reaktion des Pferdes handelt, ist das Sommerekzem nicht ansteckend.

Sommerekzem erkennen – häufige Symptome

Infolge der allergischen Reaktion des Pferdes auf die durch den Mückenstich übertragenen Substanzen entsteht ein Hautausschlag mit Papeln, also Knötchen oder Bläschen an der Hautoberfläche. Dieser Ausschlag ist von starkem Juckreiz begleitet und führt zum ständigen Kratzen des Pferdes an der entsprechenden Stelle. 

Besonders oft sind bei Pferden folgende Körperpartien betroffen:

  • Mähnenkamm
  • Schweifrübe 
  • Kruppe
  • Widerrist
  • Bauchnaht
  • der Schopf am Kopf zwischen den Ohren

Wann zum Tierarzt?

Leidet ein Pferd an einem Sommerekzem, wird seine Haut durch das ständige Scheuern stark zerstört, das Fell fällt aus und es bilden sich vermehrt kahle Stellen. Gleichzeitig wird die Haut des betroffenen Pferdes durch die ständige Reizung dicker und kann sich in wulstige Falten legen, wenn das Sommerekzem über Jahre hinweg unbehandelt bleibt.

Es ist also empfehlenswert, sich mit dem Tierarzt zu beraten, wenn das Pferd sich – durch den Juckreiz geplagt – übermäßig oft scheuert und bereits kahle und blutige Stellen am Körper zeigt.

Da es sich um eine Form der Allergie handelt und diese nicht einfach von selbst weggeht, sind die Pferde ein Leben lang von den Symptomen betroffen. Jedoch sind Ausprägung und Schweregrad der Symptome abhängig von der Mückenpopulation, also indirekt vom Wetter. Zudem können sie auch durch andere Faktoren wie die Fütterung des Pferdes beeinflusst werden.

Therapie eines Sommerekzems beim Pferd

Viele Tierärzte verschreiben bei einem Sommerekzem Kortison als Mittel gegen die Hautveränderungen, was meist auch sofort eine deutliche Besserung der Symptome bringt. Von einer langfristigen Behandlung eines Pferdes mit Kortison aber ist abzuraten, weil die Nebenwirkungen andere Probleme wie Magengeschwüre oder Nierenschäden mit sich bringen.

Da es sich beim Sommerekzem um eine Form der Allergie handelt, gibt es verschiedene Möglichkeiten der langfristigen Behandlung, um schon vor dem eigentlichen Mückenstich auf das Immunsystem einzuwirken und die Immunantwort des Pferdes darauf etwas zu dämpfen. Die bekanntesten sind:

  • Hyposensibilisierung
  • Eigenbluttherapie
  • Homöopathie

Prinzipiell gilt: Je früher Sie die Symptome des Sommerekzems erkennen, desto besser ist die Prognose für Ihr Pferd. Welche Therapie dem jeweiligen Pferd am besten hilft, man muss individuell ausprobieren.

Hyposensibilisierung bei Pferden

Das Ziel von Hyposensibilisierung ist, das Immunsystem des Pferdes Schritt für Schritt mit den im Mückenspeichel enthaltenen Substanzen, die eine starke Immunreaktion auslösen, gezielt zu konfrontieren und dadurch zu sensibilisieren.

Da jedes Pferd auf unterschiedliche Allergene im Speichel der Mücken reagiert, ist es unbedingt erforderlich, vorab einen Allergietest zu machen und die entsprechenden Allergene zu ermitteln. Daraus wird dann speziell für das jeweilige Pferd eine Hyposensibilisierungslösung hergestellt. Diese wird in kurzen Abständen (meist wöchentlich) über einen sehr langen Zeitraum unter die Haut gespritzt und die Reaktion des Pferdes darauf beobachtet.

In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass bereits nach kurzer Zeit ein Abflauen der Symptome und nach Langzeitbehandlung eine deutliche Besserung erzielt werden konnte. Prinzipiell sollte die Hyposensibilisierung für mehrere Jahre oder – wenn das Pferd sehr gut darauf anspricht – sogar ein Leben lang durchgeführt werden.

Eigenbluttherapie beim Sommerekzem

Bei der Eigenbluttherapie wird dem Pferd vom Tierarzt oder Heilpraktiker Blut entnommen und dieses anschließend sofort wieder unter die Haut gespritzt. Dieses Blut wird außerhalb der Gefäße wie ein Fremdeiweiß vom Körper bekämpft und somit das Immunsystem stimuliert. So soll, im richtigen Behandlungsintervall – anfangs mehrmals täglich – angewendet, eine geringere (Über-)Reaktion auf den Mückenspeichel erreicht werden. Wie die Hyposensibilisierung hat auch die Eigenbluttherapie eine Dämpfung des Immunsystems zum Ziel.

Zudem besteht die Möglichkeit, das Blut vor dem Spritzen mit Medikamenten oder homöopathischen Kombinationspräparaten zu mischen.

Homöopathische Behandlung zur Unterstützung

In der klassischen Homöopathie finden vor allem Konstitutionsmittel sowie Mittel, die den Hautstoffwechsel unterstützen, Anwendung gegen Sommerekzeme. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ledum
  • Staphisagria
  • Sulfur
  • Graphites
  • Cardiospermum
  • Echinacea

Diese gibt es in Form von Globuli und Tabletten, die einfach in Wasser aufgelöst dem Pferd direkt ins Maul gegeben werden können. In welcher Potenz und Dosis die einzelnen homöopathischen Arzneimittel gegeben und eventuell kombiniert werden sollen, sollte mit dem Homöopathen des Vertrauens abgeklärt werden.

Schnelle Hilfe mit Schüßler-Salzen®

Schnelle Hilfe kann beim Sommerekzem durch die Linderung der Symptome erreicht werden, unter anderem durch folgende Schüßler-Salze®:

  • Calcium phosphoricum D6 und Natrium Chloratum D6: bei trockenem Ekzemen, alle zwei Stunden eine Tablette
  • Calcium fluoratum D12: bei Rissen, Schrunden und Borkenbildung, dreimal täglich eine Tablette

Kräuter und Bachblüten zur Behandlung eines Sommerekzems

Zur Linderung der Symptome können Kräuter verwendet werden, die eine positive Wirkung auf das Haarkleid des Pferdes besitzen, als Entzündungshemmer wirken oder den Juckreiz mindern. Wichtig ist jedoch, keine Kräuter zu geben, die das Immunsystem des Pferdes stärken, da sonst die allergische Reaktion mitverstärkt wird. 
Die Kräuter können in getrockneter Form zur normalen Futterration zusätzlich verfüttert werden. Geeignet sind:

  • Brennnessel
  • Eberraute
  • Hagebutte
  • Kamille
  • Knoblauch
  • Rotklee
  • Seetang

Viele Pferde sprechen auch sehr gut auf Bachblüten an, vor allem auf Crab Apple. Aufgrund seiner ausleitenden Wirkung zeigt es guten Erfolg bei Hauterkrankungen und auch Abwehrschwächen. Ergänzungsblüten zu Crab Apple sind Beech, Oak, Pine und Rock Water.

Hausmittel gegen Sommerekzeme beim Pferd

Als besonders wirksam gegen Sommerekzeme bei Pferden hat sich Essigwasser (eine Mischung aus normalem Haushaltsessig und Wasser im Verhältnis 9:1) erwiesen, das, mit einem Schwamm aufgebracht, den Juckreiz mindert und eine kühlende Wirkung hat.

Zudem wird auch Aloe Vera aufgrund seiner vielen heilungsfördernden Inhaltsstoffe für die Behandlung des Sommerekzems empfohlen. Es kann äußerlich aufgetragen oder ins Futter gemischt werden, wichtig ist nur, dass beim Verwenden von Präparaten ein möglichst hoher Aloe-Vera-Reinwert enthalten ist.

Zur Behandlung der Hautwunden geeignete Hausmittel sind außerdem:

  • Ringelblumensalbe
  • Penaten®-Creme
  • Betaisdona®-Salbe
  • Zinksalbe
  • Heilerde
  • Honig

Wie die Fütterung helfen kann

Es hat sich gezeigt, dass Sommerekzem durch eine Überversorgung oder einen Mangel an bestimmten Vitaminen (zum Beispiel B1 und B6) begünstig werden kann. Deswegen ist es sowohl für die Behandlung als auch die Vorbeugung wichtig, auf eine ausreichende und bedarfsgerechte Versorgung des Pferdes mit allen nötigen Spurenelementen und Mineralstoffen zu achten. Genauso sollten zu hohe Eiweißgehalte in der Fütterung vermieden werden, die vor allem in der Weidezeit durch das proteinreiche, frische Gras entstehen.

Die beste Waffe gegen ein Sommerekzem ist aber ein aktiver Stoffwechsel, der durch Bewegung und das richtige Pferdefutter beziehungsweise eine ausgewogene Ernährung des Pferdes ausreichend unterstützt wird.

So kann man dem Sommerekzem vorbeugen

Der Auslöser eines Sommerekzems bei Pferden ist ursprünglich der Stich einer Mücke. Das heißt, das Pferd vor Mücken zu schützen, ist die sinnvollste und beste Maßnahme zur Vorbeugung eines Sommerekzems. Dies kann erreicht werden durch:

  • Ekzemerdecken: Das sind spezielle Decken, um die gefährdeten Körperregionen am Pferd abzudecken und zu schützen. Diese gibt es unter anderem auch mit Kopfteilen, die das Gesicht des Pferdes abdecken, es aber sonst nicht einschränken. 
  • Insektensprays oder -gele: Diese halten die Mücken fern.
  • Ätherische Öle: Diese vertreiben die Mücken durch ihren Geruch.
  • Änderung des Weidemanagements: Die Hauptaktivitätszeit der Mücken liegt in den frühen Morgen- und Abendstunden, in denen die blutsaugenden Weibchen die Pferde besonders stark belästigen. Im Stall kommen sie kaum vor, gefährdet sind eher Pferde, die den ganzen Tag auf der Weide stehen oder in Offenstallhaltung leben.  Es gilt also, die oben genannten Tageszeiten draußen zu meiden.
  • Weidehygiene: Ungepflegte, feuchte Koppeln ziehen besonders viele Mücken an, da eine feuchtwarme Umgebung den perfekten Lebensraum für die Mücken bietet. Deshalb ist es umso wichtiger, Ansammlungen von Kot und Wasser auf den Weiden zu beseitigen, um so den Mücken keinen Lebensraum zu bieten.

Neuen Erkenntnissen nach kann zudem die Wahrscheinlichkeit für die Allergie auf den Mückenspeichel genetisch weitervererbt werden. Deshalb kann schon bei der Zucht die Anfälligkeit eines Pferdes für das Sommerekzem reduziert werden.

Aktualisiert: 10.08.2018 – Autor: Theresa Kohl

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