Katzensprache verstehen: Wie Sie die Körpersprache von Katzen richtig deuten

Katzen haben eine ausgeprägte Körpersprache. Ob Freude oder Angst – die Körperhaltung verrät vieles. Katzensprache zu verstehen, erfordert aber Übung.

Katze nähert sich mit erhobenem Schwanz © Tanja Thiele

Wer das Verhalten von Katzen richtig deuten und die Katzensprache lernen möchte, muss sich immer bewusst sein, dass Katzen sehr aufmerksame Beobachter sind. Sie registrieren jede Regung ihres Gegenübers – jedes Blinzeln – und folglich kann auch die kleinste Bewegung in der Körpersprache von Katzen von großer Bedeutung sein. Wer seine Katze verstehen will, muss daher sehr aufmerksam sein und ganz genau hinschauen. Im Folgenden verraten wir, worauf Sie dabei besonders achten sollten.

Körpersprache von Katzen

Katzen haben eine ausgeprägte Mimik. Das Zusammenspiel von Augen, Ohren und Schwanz sowie der Körperhaltung verraten eine ganze Menge über den Gemütszustand und die Stimmung der Katze.

Aufgestellte Schnurrhaare und nach vorne gerichtete Ohren zeigen beispielsweise Aufmerksamkeit. Eine entspannte Katze hingegen lässt ihren Schwanz locker hängen. Zur Begrüßung wird er aufgestellt, ein Zeichen, dass sie ihrem Gegenüber freundlich gesonnen ist.

Wie zeigen Katzen Freude?

Durch einen aufgestellten Schwanz drückt eine Katze auch Freude aus. Freut sich die Katze, läuft sie außerdem oft aufgeregt hin und her, manchmal begleitet von einem aufmerksamen Miauen.

Wenn der Grund für die Freude zum Beispiel die Heimkehr des lieben Besitzers ist, streicht die Katze auch häufig anhänglich um dessen Beine und reibt den Kopf. Mit diesem sogenannten "Köpfchen geben" signalisiert sie: "Du gehörst zu mir", denn die an den Wangen befindlichen Duftdrüsen hinterlassen eine, von uns Menschen unbemerkte, Markierung mit dem individuellen "Familiengeruch".

Doch Vorsicht: Die gleichen Zeichen von Freude wenden viele Katzen auch an, wenn sie betteln.

Wenn Katzen spielen möchten

Verspielte Katzen erkennt man nicht unbedingt an einer speziellen Körperhaltung, sondern an ihrem ganzen Verhalten. Manche Katzen rennen wie verrückt durch die Wohnung oder den Garten, wenn sie vom Spieltrieb gepackt werden.

Katzen, die verspielt sind, wälzen sich zudem oft auf dem Boden und machen die verrücktesten Verrenkungen. Möchten sie ihre Menschen zum Mitspielen auffordern, wird häufig mit einer Pfote nach der Hand oder dem Hosenbein getatzelt.

Die Ohren als Stimmungsbarometer

Die Stimmung einer Katze lässt sich am besten an den Ohren ablesen:

  • Wenn sie entspannt nach vorne gerichtet sind, signalisiert das Freundlichkeit. 
  • Erregt etwas die Aufmerksamkeit der Katze, werden die Ohren in diese Richtung gedreht. 
  • Unzufriedenheit zeigt sich, indem die Ohren nach und nach zur Seite gedreht werden. Die Katze sagt auf diese Weise: "Das, was du da gerade machst, gefällt mir nicht." 
  • Werden die Ohren noch weiter nach hinten gedreht, sodass die Rückseite sichtbar wird, signalisiert die Katze Furcht, warnt aber auch, dass sie gleich angreifen könnte, wenn sie sich weiter bedroht und in die Enge getrieben fühlt ist. Wildkatzen haben hinten auf den Ohren jeweils einen hellen Fleck. Zeigt die Rückseite der Ohren nach vorne, wirken diese wie ein zweites Augenpaar, wodurch ihr Gegenüber eingeschüchtert werden soll. 
  • Schlägt die Angst in Aggression um, werden die Ohren flach an den Kopf gelegt. In der Regel geht die Katze dann im selben Moment zum Angriff über.

Wie zeigen Katzen Furcht und Aggression?

Bei Angst oder Aggression sträubt die Katze ihr Fell und macht einen typischen Buckel, um größer zu wirken und so den Gegner einzuschüchtern. Die Ohren sind bei einer aggressiven Katze nach hinten gedreht und flach angelegt. Mischt sich Furcht darunter, werden die Ohren etwas mehr zur Seite geklappt. Der Schwanz ist ebenfalls gesträubt und als Zeichen der Angst leicht geknickt. Eine angriffslustige Katze stellt ihn ganz waagerecht.

Am einfachsten lassen sich Furcht und Aggression an den Pupillen unterscheiden. Sind sie eng gestellt und schlitzförmig, ist die Katze wütend. Bei Angst und Erregung sind die Pupillen dagegen sehr weit.

Was der Katzenschwanz außerdem verrät

Unterwerfung zeigt die Katze durch einen eingezogenen Schwanz. Manchmal präsentiert sie dem Gegenüber auch ihren Bauch, ihre verletzliche Seite. Diese Geste ist bei Katzen allerdings nicht so eindeutig wie bei Hunden. Zum einen können sie sich auch auf dem Rücken liegend noch hervorragend mit den Krallen verteidigen, zum anderen ist das Rollen auf den Rücken häufig auch eine Spielaufforderung. Bei der Interpretation ist also immer der jeweilige Kontext ausschlaggebend.

Ein zuckender Schwanz bedeutet Unsicherheit. Vielleicht beschäftigt die Katze gerade ein innerer Konflikt. Dieses Verhalten ist auch häufig bei der spielerischen Jagd zu beobachten. Im Ernstfall dagegen verhält sich die Katze ganz starr und still, um von ihrer Beute nicht entdeckt zu werden.

Das richtige Maß beim Blickkontakt

Blickkontakt signalisiert zunächst einmal Aufmerksamkeit. Dabei sind die Augen der Katze oft halb geschlossen. So zeigt sie, dass sie freundlich gesonnen ist. Man sollte Katzen niemals anstarren, auch wenn ihre schönen Augen uns faszinieren. Denn Anstarren gilt als Drohgebärde.

Blinzeln Sie Ihrer Katze besser immer mal wieder deutlich zu. Mit ein bisschen Glück blinzelt Ihre Mieze zurück. Sie haben in der Katzensprache ein Lächeln ausgetauscht.

Auch Katzen untereinander wenden bei Begegnung immer mal wieder den Blick ab, um Friedfertigkeit zu demonstrieren und ihr Gegenüber zu beruhigen. Blinzeln wird zudem auch als Übersprunghandlung beobachtet. Ist die Katze unsicher, signalisiert sie lieber erstmal, dass sie nicht auf Streit aus ist.

Wie verhalten sich Katzen bei Paarungsbereitschaft?

Kätzinnen werden je nach Rasse mit etwa vier bis zwölf Monaten geschlechtsreif. Sie werden dann mehrmals im Jahr "rollig", also paarungsbereit. Die Paarungsbereitschaft ist saisonabhängig, von Oktober bis Dezember tritt normalerweise eine Ruhepause ein, in der die Katze gar nicht rollig ist. Bei Wohnungskatzen geht dieser Rhythmus jedoch häufig verloren.

Rollige Katzen sind in dieser Zeit sehr unruhig, miauen viel und wälzen sich. Dabei rollen sie sich hingebungsvoll hin und her, was die Bezeichnung erklärt. Zudem stellen sie ihren Schwanz zur Seite, ein weiteres Signal, um einem Kater ihre Paarungsbereitschaft zu zeigen.

Kater werden durchschnittlich mit acht bis zehn Monaten geschlechtsreif. Bei ihnen ist keine Saisonabhängigkeit zu beobachten, sie sind immer paarungsbereit. Rollige Katzen werden von Katern über große Entfernungen wahrgenommen, da sie einen besonderen Geruch verströmen. Da kann auch ein braver Wohnungskater schonmal zu einem Ausbruchversuch verleitet werden, wenn in der Nachbarschaft eine rollige Katze herumstreunt. 

Außerdem markieren die meisten geschlechtsreifen Kater ihr Revier auch drinnen. Dieses Verhalten kann mit einer rechtzeitigen Kastration unterbunden werden.

Laute als Teil der Katzenkommunikation

Katzen untereinander kommunizieren vor allem über Gesten und Gerüche. Sie verfügen aber auch über ein ausgeprägtes Lautrepertoire, das weit über das Miauen hinausgeht:

  • Knurren und Fauchen sind als Warnung zu verstehen. 
  • Im Kampf geht dies in ein kehliges Heulen über, bis hin zu Kreischen und Jaulen, was Aggression und zum Teil auch Furcht ausdrückt. 
  • Angespannte oder vom Jagdfieber gepackte Katzen schnattern manchmal, wobei dies häufig eher nach Schmatzen klingt. 
  • Sanftes Gurren soll beruhigen und demonstriert Paarungsbereitschaft.
  • Schnurren signalisiert nicht nur, dass sich eine Katze wohlfühlt, sondern kann auch dazu dienen, sich selbst zu beruhigen. Vermutlich stimulieren Katzen darüber sogar die körpereigenen Selbstheilungskräfte. Über den Ursprung des Schnurrens sind sich Forscher bis heute uneinig.

Das eigentliche Miauen entspringt der Babysprache und wird vor allem dem Menschen gegenüber beibehalten. Dabei entwickeln viele Katzen die unterschiedlichsten Variationen, je nachdem, was sie gerade von "ihrem" Menschen möchten. Hier fällt auch besonders auf, wie unterschiedlich die Stimmen der Katzen sein können.

Putzverhalten von Katzen

Etwa 3,5 Stunden am Tag verbringt eine Katze damit, sich ausgiebig zu putzen. Dieses typische Katzenverhalten dient natürlich vor allem der Fellpflege. Gegenseitiges Putzen ist zudem sehr wichtig für die soziale Bindung.

Viele Katzen lecken sich besonders oft und ausgiebig die Pfoten. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um eine Übersprunghandlung. Diese tritt auf bei Aufregung, Verlegenheit oder Unsicherheit. Solche Übersprunghandlungen dienen als Stresslöser. Mit einer vertrauten Handlung überspielt die Katze, dass sie gerade nicht weiß, wie sie sich richtig verhalten soll. Vermutlich werden durch das Lecken außerdem Glückshormone (Endorphine) freigesetzt.

Meine Katze gähnt – ist sie müde?

Katzen gähnen – wie wir Menschen auch – gelegentlich, wenn sie müde sind und vor allem nach dem Aufwachen, kombiniert mit ausgiebigem Strecken. Bei dem weiten Aufreißen des Mauls werden die Gesichtsmuskeln entspannt.

Viel wichtiger ist aber wohl, dass durch das Gähnen Stress abgebaut wird. So gähnen Katzen, wenn sie unsicher sind oder zur Beschwichtigung eines Artgenossen. Übrigens lassen sich erstaunlicherweise auch Tiere vom Gähnen von Menschen anstecken.

Die schlafende Katze

Man sagt, Katzen schlafen etwa 12 bis 16 Stunden am Tag. Die meiste Zeit verbringen sie dabei aber dösend. Ihre Augen sind zwar geschlossen, aber sie registrieren noch immer, was um sie herum geschieht.

Besonders leicht ist das daran zu erkennen, dass die Katze mit den Ohren spielt und auch auf leise Geräusche reagiert. Erregt etwas die Aufmerksamkeit der Katze, öffnet sie ein oder beide Augen und dreht den Kopf in die entsprechende Richtung. Dann entscheidet sie, ob es sich lohnt, aufzustehen, oder ob sie weiter döst.

In Tiefschlaf fallen Katzen nur dann, wenn sie sich sehr sicher fühlen und in der Regel auch immer nur für einige Minuten. In einer solchen Phase sollte man eine Katze niemals unvermittelt anfassen, sondern immer vorher ansprechen. Es kann sonst sein, dass sie so sehr erschrickt, dass sie sofort angreift und die berührende Hand attackiert.

Ob Tiere wirklich träumen können, darüber herrscht Uneinigkeit. Wer seine schlafende Katze aber einmal längere Zeit beobachtet, wird feststellen, dass sie gelegentlich im Schlaf mit den Pfoten zuckt und rudert und manchmal sogar anfängt zu schmatzen. Vielleicht träumt sie ja wirklich gerade von der Jagd nach einer Maus.

Ist meine Katze krank?

Kranke Katzen zeigen meistens erst sehr spät, dass es ihnen schlecht geht. Die natürlichen Instinkte sorgen dafür, dass die Katze keine Schwäche zeigt. Daher sollte man bei den ersten Anzeichen, dass es der Katze nicht gut geht, einen Tierarzt um Rat fragen, denn häufig sind die Katzen dann schon länger krank und haben das bisher nur gut versteckt.

Wie aber erkennt man, ob eine Katze krank ist? Eine kranke Katze wird zuerst aufhören zu spielen. Da der Spieltrieb jedoch individuell sehr unterschiedlich ist und manche Katzen, vor allem Freigänger, gar kein Interesse an Spielen mit dem Menschen zeigen, ist dies ein sehr unsicheres Zeichen.

Erst wenn es der Katze schlechter geht, zieht sie sich zurück. Kranke Katzen schlafen vermehrt, wobei sie erhöhte Plätze oft nicht mehr aufsuchen, um Anstrengungen zu vermeiden. Wenn die Schläfrigkeit in richtige Teilnahmslosigkeit (Apathie) umschlägt, ist das häufig ein Zeichen für Fieber. Außerdem hören kranke Katzen häufig auf, zu fressen.

Körpersprache bei Schmerzen

Auch Schmerzen zeigen Katzen oft fast gar nicht. Im Gegensatz zur Angst gibt es bei Katzen keine Körpersprache oder typische Haltung, die allgemein Schmerz signalisiert. Katzen lahmen eigentlich erst dann, wenn sie mit einer Pfote wirklich kaum noch auftreten können.

Nur bei einem plötzlichen Schmerz, etwa wenn der Katzenschwanz aus Versehen eingeklemmt wird, schreit ein Stubentiger auch mal auf. Dies ist jedoch auch dem Schreck geschuldet. Der wohl wichtigste Indikator für Schmerzen ist, dass die Katze meistens aufhört, zu fressen. Doch auch hier muss zwischen sehr mäkeligen Katzen und den verfressenen Tieren deutlich unterschieden werden.

Letztendlich können alle Verhaltensänderungen oder Auffälligkeiten ein Anzeichen sein, dass die Katze krank ist. Der Besitzer, der sein Tier am besten kennt, kann auch am besten beurteilen, was für seine Katze normal ist. Bei Unsicherheit sollte lieber einmal mehr der Tierarzt aufgesucht werden. Denn häufig verstehen Katzenbesitzer die Sprache ihrer eignen Katze am besten und liegen mit ihrer Vermutung, dass etwas nicht stimmt, ganz richtig.

Aktualisiert: 06.07.2017 – Autor: Malin Held

Weitere Artikel

Nach oben