Toxoplasmose – Gefahr für Katze und Mensch?

Toxoplasmose ist bei Katzen weitverbreitet und verursacht keine Symptome. Gefährlich ist die Krankheit für immunschwache Katzen, aber auch Menschen.

Katze frisst Maus mit Toxoplasmose-Parasiten © istockphoto, AndreyStratilatov


Werdenden Müttern wird oft geraten, keine Katzen zu streicheln oder das Katzenklo nicht selbst zu reinigen. Der Grund für diese Tipps ist die Angst vor einer Ansteckung mit Toxoplasmose. Gerade die Übertragung der Toxoplasmose auf das ungeborene Kind bereitet dabei vielen Menschen Sorgen. 

Im Zusammenhang mit dieser Katzenkrankheit kommen viele Fragen auf: Was ist Toxoplasmose? Hat jede Katze Toxoplasmose und übertragen alle Katzen den Erreger? Wie bekommen Katzen Toxoplasmose und welche Symptome zeigen erkrankte Katzen? Ist Toxoplasmose heilbar und wie sieht die Behandlung aus? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Toxoplasmose bei Katzen.

Erreger der Toxoplasmose bei Mensch und Tier

Toxoplasmose ist eine Krankheit, die durch den Parasiten Toxoplasma gondii hervorgerufen wird. Der Erreger lebt ausschließlich in den Zellen von warmblütigen Tieren und kann auch Menschen befallen.

Der Parasit kann sich im Laufe seines Entwicklungszyklus zwei verschiedene Arten von Wirten suchen – den Endwirt und den Zwischenwirt: 

  • Endwirte sind ausschließlich Katzen, sowohl unsere Stubentiger als auch deren wilden Verwandte. 
  • Zwischenwirte sind häufig kleine Beutetiere, wie Vögel und Nager. Auch der Mensch und andere Säugetiere, wie Schweine und Hunde, können Zwischenwirte sein.

Ansteckung mit Toxoplasmose

Im Endwirt, also in der Katze, passiert der Parasit den Magen-Darm-Trakt. Im Darm kommt es zum Ausbilden von Eiern, die neue Toxoplasmen enthalten, und mit dem Kot ausgeschieden werden. Direkt nach dem Kotabsatz der Katze sind die Parasiteneier nicht gleich infektiös. Es dauert einige Tage in der Umwelt, bis andere Katzen oder die Zwischenwirte sich mit den Parasiten anstecken können.

Im Zwischenwirt gelangt der Parasit bis in den Darm und verteilt sich von dort aus im Körper. In gut durchbluteten Geweben wie Muskeln und Gehirn kapseln sich die Toxoplasmen in kleinen Flüssigkeitsbläschen (Zysten) ab und verfallen in ein Ruhestadium. Unter bestimmten Bedingungen können sie sich aus den Bläschen wieder in die Blutbahn verteilen. Zwischenwirte scheiden den Parasiten nicht mit dem Kot aus – die Übertragung von Zwischenwirten auf die Katze erfolgt nur, wenn diese das infizierte Fleisch der Zwischenwirte frisst.

Obwohl die Katze der Endwirt ist, bilden sich auch in ihrem Körper die Ruhestadien in Zysten aus. Dadurch werden die Krankheitssymptome der Toxoplasmose bei den Katzen verursacht.

Genauere Informationen zum Lebenszyklus und den unterschiedlichen Lebensformen des Parasiten finden Sie auf der nächsten Seite dieses Artikels.

Symptome von Toxoplasmose bei der Katze

Meist verläuft eine Infektion mit Toxoplasma gondii, zum Beispiel durch Aufnahme von Parasiteneiern aus der Umwelt oder infizierten Zwischenwirten, bei der Katze symptomlos. In seltenen Fällen kommt es zur Ausprägung von Symptomen. 

Man unterscheidet dabei verschiedene Phasen beziehungsweise Formen der Infektion, die jeweils unterschiedliche Symptome verursachen können:

  1. Darmphase: Vermehrung des Parasiten im Darm der Katze
  2. akute Toxoplasmose
  3. chronische Toxoplasmose
  4. konnatale (angeborene) Toxoplasmose

1. Symptome während der Darmphase

Selten haben die Katzen infolge einer Infektion mit Toxoplasmose leichten Durchfall, hauptsächlich wenn viele Parasiteneier ausgeschieden werden. Meist reguliert sich der Durchfall von selbst. 

Bei Aufnahme von zystenhaltigem Fleisch eines Zwischenwirts kann es kurzzeitig zu leichtem Fieber und einer schwachen Schwellung der Lymphknoten am Hals kommen. 

2. Symptome einer akuten Toxoplasmose

Ein akuter Verlauf der Toxoplasmose wird besonders bei jungen Katzen beobachtet. Durch die Zystenbildung wird das Gewebe geschädigt. Die Schwere der Erkrankung hängt somit mit dem Grad der Schädigung des Gewebes zusammen. Die bevorzugten Gewebe, in dem sich Zysten bilden, sind Muskeln, Lunge und Gehirn, selten auch Leber, Auge und Bauchspeicheldrüse. 

Die Symptome einer akuten Toxoplasmose sind bei Katzen:

  • fieberhafte Allgemeinerkrankung mit Husten und Atemnot
  • Durchfall
  • Gelbsucht infolge von Leberproblemen
  • Lahmheiten
  • Uveitis (Entzündung mehrerer Schichten im Auge)
  • Totgeburten bei trächtigen Katzen

3. Symptome einer chronischen Toxoplasmose

Die chronische Toxoplasmose betrifft hauptsächlich alte Katzen. Meist kommt es durch eine Immunschwäche, zum Beispiel infolge von Katzenaids (FIV), Leukose (FeLV) oder immunschwächenden Medikamenten, zur Freisetzung von Erregern aus Gewebszysten und somit zu einem Krankheitsschub. 

Die Katze kann sich also als junge Katze infiziert haben und erst nach vielen Jahren bricht die Krankheit aus. Die Toxoplasmen haben solange als Ruhestadien in den Zysten keine Probleme verursacht. 

Zu den oben genannten Symptomen einer akuten Toxoplasmose bei Katzen können bei der chronischen Toxoplasmose folgende Anzeichen hinzukommen:

  • epilepsieartige Anfälle
  • Erbrechen
  • Abmagerung
  • Anämie (Blutarmut)
  • Lähmungen

4. Symptome einer angeborenen Toxoplasmose

Babykatzen können bereits während der Trächtigkeit über die Plazenta mit Toxoplasma infiziert werden. Dann kommt es entweder direkt zum Absterben des Fötus im Mutterleib oder die Katzenbabys werden lebensschwach geboren. Meist weisen sie massive Veränderungen an Lunge, zentralem Nervensystem und Leber auf.

Sollten sie lebendig geboren werden, zeigen sie meist folgende Symptome der Toxoplasmose:

  • Abmagerung und Schwäche
  • Fieber
  • Atemnot
  • Gelbsucht
  • Bauchwassersucht
  • Durchfall und Erbrechen
  • neurologische Symptome

In der Regel endet die Erkrankung innerhalb weniger Tage für die Katzenbabys tödlich.

Immunität und Antikörper gegen Toxoplasmose

Der Großteil der Katzen zeigt nach der ersten Infektion mit Toxoplasma gondii eine Immunität, also Unempfindlichkeit, gegenüber dem Erreger. Grund dafür ist die Bildung von Antikörpern im Blut der Katze. 

Sogenannte unspezifische Antikörper (IgM), also Bestandteile der Immunabwehr der Katze, heften sich während der ersten Infektion an die Toxoplasmen und verklumpen diese. Im weiteren Verlauf der Erkrankung werden von den Immunzellen der Katze (auch ohne tierärztliche Behandlung) spezielle Antikörper (IgG) gegen die Toxoplasmen gebildet. Mithilfe von Gedächtniszellen werden bei künftigen Infektionen diese IgG sofort wieder ausgeschüttet. Somit kann bei erneutem Kontakt die Immunabwehr viel schneller erfolgen. 

Das bedeutet, die Katze ist gegen Neuinfektionen immun. Infolgedessen kommt es – bis auf wenige Ausnahmen – auch gar nicht mehr zur Entwicklung der Parasiten im Darm oder zu einem Ausscheiden der Eier.

Die Ruhestadien können jedoch nicht mithilfe der Antikörper bekämpft werden, da sie sich in den Gewebszysten "verstecken". Allerdings wandern die Parasiten regelmäßig aus ihren Zysten. Wenn das geschieht, werden diese durch das Immunsystem der gesunden Katze oder des Zwischenwirtes erkannt und bekämpft. 

Somit bleibt der Immunschutz durch das regelmäßige Auswandern der Erreger aus den Zysten erhalten. Das ist der gleiche Effekt wie bei einer Auffrischungsimpfung. Die Katze ist gegen erneute Infektionen von außen und gegen einen Krankheitsausbruch geschützt. Erst bei Problemen des Immunsystems (Immunschwäche) können sich die Toxoplasmen wieder im Körper der Katze vermehren und es kommt zu schweren Erkrankungen (chronische Toxoplasmose).

Nachweis von Toxoplasma gondii bei der Katze

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Katzen auf Toxoplasmose zu testen:

  • Nachweis von Parasiteneiern im Katzenkot durch eine spezielle Kotuntersuchung (Flotation)
  • Nachweis spezifischer Antikörper im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten 
  • Nachweis von Erregern in Geweben, Körperflüssigkeiten und Organen 

Die Kotuntersuchung kann der Tierarzt direkt in der Praxis durchführen. Alle weiteren Untersuchungen müssen in Speziallabors erfolgen. Dazu wird das benötigte Material (zum Beispiel Blut) vom Tierarzt weitergeleitet.

Man muss bedenken, dass alle diese Nachweisverfahren Vor- und Nachteile haben. Bevor man sich für einen Test entscheidet, sollte man genau mit dem Tierarzt abklären, welche Informationen der Test bringen soll. Eine Kotprobe, die momentan negativ ist, erlaubt keine Aussage darüber, ob sich nicht trotzdem Parasiteneier in der Katze entwickeln. Ein einmaliger Antiköpertest, der positiv ist, gibt keinen Aufschluss, ob die Toxoplasmose akut oder chronisch ist. Auch weiß man nicht, ob die Katze momentan Parasiteneier ausscheidet und somit eine Gefahr für Schwangere darstellt.

Besprechen Sie sich daher vorab mit Ihrem Tierarzt. Er wird Sie beraten, welcher Test am sinnvollsten ist. Somit haben sie die gewünschten Ergebnisse und sparen sich gegebenenfalls Kosten für unnötige Tests.

Dauer der Ausscheidung von Toxoplasma

Die Präpatenz, also die Zeit zwischen der Ansteckung und der Ausscheidung von Eiern, liegt bei Katzen zwischen drei und zehn Tagen. In speziellen Fällen verlängert sich diese Zeit auf 18 bis 36 Tage. 

Bei einer unbehandelten Katze beträgt die Dauer der Ausscheidung (Patenz) der Parasiteneier im Kot wenige Tage bis etwa drei Wochen. Bei Behandlung kann sich diese Zeit verkürzen. Man muss beachten, dass die Eier in feuchter Erde bis zu einem Jahr ansteckend bleiben können.

Ist Toxoplasmose verbreitet?

Toxoplasmose ist weltweit verbreitet. Circa die Hälfte der Menschen zwischen ein und 70 Jahren in Mitteleuropa hatten schon einmal Kontakt mit Toxoplasma gondii und weist somit einen positiven Antikörperspiegel auf. 

Die Häufigkeit bei Katzen ist noch höher, dabei sind ältere Katzen öfter infiziert als junge Katzen. Zwischen 75 bis 80 Prozent unserer Hauskatzen haben positive Antikörperspiegel. Ein erhöhtes Risiko haben Freigänger und Katzen, die mit rohem Fleisch ernährt (gebarft) werden. Auch in Wildtieren, Schweinen und Schafen ist der Erreger der Toxoplasmose zu finden.

Die Zahl der Katzen, die momentan Symptome zeigen, und der Ausscheider von Eiern ist hingegen sehr gering.

Therapie von Toxoplasmose bei Katzen

Es gibt antiparasitäre Mittel, die die Ausscheidung von Parasiteneiern und somit die Gefahr für die direkte Umwelt der Katze minimieren. 

Eine medikamentöse Therapie wird nur bei akuter Toxoplasmose empfohlen. Die Erreger, die sich momentan frei im Körper der Katze befinden, werden durch die Medikamente abgetötet. Dadurch werden die akuten Symptome schnell besser. Jedoch ist Toxoplasmose nicht heilbar, da man durch die Medikamente die versteckten Ruhestadien in den Gewebszysten nicht erreichen kann. 

Bei der chronischen Toxoplasmose ist die Prognose hingegen vorsichtiger zu betrachten. Es kann bereits über lange Zeit zu Gewebsschädigungen gekommen sein und die zusätzliche Immunschwäche kann die Genesung erschweren. Jedoch ist dies sehr individuell, sodass es auch bei einer chronischen Toxoplasmose unter den Medikamenten zu einer Besserung kommen kann.

Bisher gibt es keine Impfung gegen Toxoplasmose.

Aktualisiert: 02.08.2018 – Autor: Susanne Prochnau

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