Herpes bei Pferden – was tun?

Herpes bei Pferden kann dazu führen, dass der ganze Stall unter Quarantäne gestellt werden muss. Die Symptome sind behandelbar, das Herpesvirus selbst aber nicht.

Pferd mit Nasenausfluss aufgrund von Herpes © istockphoto, JackieNix

Herpes ist beim Menschen eine häufige Erkrankung und äußert sich zum Beispiel in entzündlichen Bläschen an der Lippe. Doch auch beim Pferd gibt es Herpes. Die Erscheinungsformen des Pferdeherpes sind anders als die beim Menschen und werden oft gar nicht als solche erkannt. Doch aus ungeklärter Ursache kommt es immer wieder zu räumlich und zeitlich gehäuften Ausbrüchen von Herpes bei Pferden, sodass viele Pferdebestände einer Region gleichzeitig betroffen sind. 

Was ist Pferdeherpes?

Bei Pferdeherpes handelt es sich um eine Infektion mit dem Equinen Herpesvirus (kurz EHV). Diese ansteckende Erkrankung ist in der Pferdepopulation sehr weit verbreitet – man geht davon aus, dass 90 Prozent der Pferde das Herpesvirus in sich tragen. Doch häufig kommt es trotz einer Ansteckung nicht zu einem Ausbruch der Erkrankung oder nur zu sehr milden klinischen Anzeichen.

Genau wie Druse ist Herpes keine meldepflichtige Erkrankung und muss daher nicht beim Veterinäramt gemeldet werden. 

Welche Herpesviren gibt es beim Pferd?

Zu den Herpesviren beim Pferd zählen fünf Typen (EHV1 bis 5), die teilweise unterschiedliche Symptome hervorrufen können.

EHV1 und EHV4 sind die relevantesten Typen beim Pferd, da sie am häufigsten klinische Anzeichen hervorrufen – und sogar zu einem Einschläfern des Pferdes führen können.

Im Folgenden informieren wir Sie über die Symptome und die Verlaufsformen, die sie auslösen können.

Typ 1 (EHV1)

Das Herpesvirus Typ 1 kann bei Pferden folgende Symptome auslösen:

  • Aborte (Fehlgeburt): Spätabort im letzten Drittel der Trächtigkeit. Die Stute selbst bleibt dabei ohne Symptome.
  • Atemwegsprobleme (gesamter Respirationstrakt betroffen)
    • hohes Fieber (39 °C)
    • wässriger Nasen- und Augenausfluss
    • geschwollene Lymphknoten
    • Fressunlust
    • Lethargie
  • Erkrankung des Nervensystems (Enzephalomyelitis) 
    • kurze Fieberphase
    • Schädigung des Rückenmarks
    • Bewegungs- und/oder Koordinationsstörungen
    • Lähmungen
    • Festliegen
    • Probleme beim Absetzen von Kot und Harn
    • Tod als mögliche Folge

Typ 4 (EHV4)

Typ 4 des Herpesvirus kann bei Pferden ebenfalls Atemwegsprobleme verursachen (nur oberer Respirationstrakt betroffen). Der Verlauf gleicht dem bei EHV1, es ist aber eine mildere Symptomatik zu beobachten.

Typ 5 (EHV5)

Neueste Forschungsergebnisse aus den USA haben ergeben, dass auch EHV5 eine klinische Relevanz besitzt und bis dato anscheinend unterschätzt wurde. Dieser Typ des Pferdeherpes wurde bisher hauptsächlich mit Hornhaut- und Bindehautentzündungen in Verbindung gebracht. 

Doch laut der neuesten Erkenntnisse ist EHV5 außerdem für die sogenannte "Equine multinodular pulmonary fibrosis" (EMPF) verantwortlich. Bei dieser Krankheit findet eine übermäßige Vermehrung des Bindegewebes in der Lunge statt, wodurch es beim Pferd zu Problemen mit der Atmung, Husten und Fieberschüben kommt.

Welche Pferde sind von Herpes betroffen?

Eine Infektion mit Herpesviren ist jederzeit möglich und vom Alter und der Rasse des Pferdes unabhängig. Erkrankungen mit erkennbaren Symptomen sieht man allerdings oftmals bei Fohlen und jüngeren Pferden. Alte Pferde sind nicht mehr gefährdet als andere.

Wie wird Pferdeherpes übertragen?

Die Erreger befinden sich im Sekret von Nase und Augen. Sie können zwischen den Pferden durch direkten Kontakt (Tröpfcheninfektion) oder indirekt über Gegenstände wie Putzzeug, Wassereimer oder ähnliches und durch Menschen (zum Beispiel über die Hände oder Kleidung) übertragen werden.

Bei tragenden Stuten ist das Herpesvirus auch im Fruchtwasser und in der Nachgeburt vorhanden – kommen andere Pferde damit in Kontakt, können sie sich anstecken. Das ungeborene Fohlen wiederum kann durch seine infizierte Mutter über die Blutbahn angesteckt werden.

Pferdeherpes – nicht auf Menschen übertragbar

Wie der Name Equines Herpesvirus schon sagt, handelt es sich um ein für das Pferd spezifisches Virus, das weder auf den Menschen noch auf den Hund übertragbar ist. Pferdeherpes kommt also beim Menschen nicht vor und auch in umgekehrter Richtung ist keine Ansteckung möglich. Den Pferden nah verwandte Tiere wie Esel, Maultiere und Maulesel können allerdings durch das Pferdeherpesvirus infiziert werden.

Hunde und Menschen können jedoch das Herpesvirus zwischen Pferden auf indirektem Wege übertragen, auch wenn sie selbst nicht daran erkranken.

Infektion mit Pferdeherpes

Ist ein Pferd einmal infiziert, wird es das Virus nie wieder vollständig los. Nach einer aktiven Phase, in der sich das Herpesvirus über das Blut im ganzen Organismus verteilt, kommt es zu einer latenten Infektion. Die Erreger bilden inaktive Stadien, die sich im Inneren von Nerven- und Lymphzellen einnisten und dort vom Immunsystem nicht angegriffen werden können. Der Körper des Pferdes kann die Viren nur in ihrem aktiven Stadium abwehren.

Die meisten Pferde, die das Herpesvirus in sich tragen, zeigen keine Anzeichen einer Erkrankung, scheiden das Virus aber lebenslang aus und infizieren so unbemerkt andere Pferde. Die Menge des ausgeschiedenen Virus hängt vom Immunstatus des jeweiligen Pferdes ab.

Pferdeherpes erkennen

Da die Symptome der Herpeserkrankung beim Pferd sehr unspezifisch sind, werden sie oft nicht unmittelbar erkannt. Daher laufen viele Herpesinfektionen unbemerkt und ohne größere Komplikationen ab. Kommt es regional zu einem gehäuften Auftreten schwerer Herpesfälle bei Pferden, sollten die Besitzer umgehend einen Tierarzt hinzuziehen, wenn sie die oben genannten Symptome bei ihrem Pferd beobachten.

Bei Verdacht auf Herpes erfolgt die Diagnose mittels eines Nachweises der Virus-DNA in einer Blut- oder Sekretprobe. Zusätzlich sollte eine zweimalige Untersuchung des Antikörpertiters im Abstand von zwei Wochen stattfinden. Steigt der Titer von der ersten zur zweiten Untersuchung um mehr als das Vierfache an, gilt eine Herpesinfektion als gesichert. Bei der Untersuchung wird auch festgestellt, um welchen Typ des Herpesvirus es sich handelt. Allerdings macht dies für die anschließende Behandlung keinen Unterschied.

Verlauf der Herpeserkrankung

Kommt ein infiziertes Pferd in eine Stresssituation (zum Beispiel im Turniersport oder bei einem Aufenthalt in einer Pferdeklinik), kann dies das Herpesvirus aktivieren und den Ausbruch der Erkrankung hervorrufen. Die Inkubationszeit nach einer frischen Ansteckung ist in der Regel kurz und beträgt zwischen 24 und 48 Stunden. Sie kann allerdings variieren und beträgt bei Aborten oft zwischen 14 und 21 Tagen.

In den meisten Fällen normalisieren sich die Symptome nach ein bis zwei Tagen von selbst wieder, doch die Erkrankung kann in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen.

Was tun bei Pferdeherpes?

Kommt es zu einem Ausbruch von Herpes, ist lediglich eine symptomatische Behandlung möglich. Gegen das Virus selbst gibt es kein Mittel.

Um das Pferd während der Erkrankung zu unterstützen, kann der behandelnde Tierarzt ihm eines oder die Kombination folgender Mittel verabreichen:

  • Entzündungshemmer (zum Beispiel Kortison)
  • Infusionen mit Kochsalzlösung (zur Unterstützung des Kreislaufs)
  • Paraimmunitätsinducer Zylexis® (unterstützt die Funktion des Immunsystems)
  • Vitamine B und E
  • Antibiotika (bei sekundären bakteriellen Infektionen)

Quarantäne bei Pferdeherpes

Kommt es in einem Pferdebetrieb zu einem Ausbruch von Pferdeherpes, ist die wichtigste Maßnahme, sofort eine Quarantäne zu verhängen. Die betroffenen Pferde sollten innerhalb des Betriebes räumlich von den anderen Pferden isoliert werden und kein Pferd sollte den Betrieb währende der akuten Phase verlassen. 

Für den Bereich mit den erkrankten Pferden ist es ratsam, eigene Geräte und Kleidung bereitzuhalten, die nicht mit den gesunden Pferden in Kontakt kommen. 

Quarantäne auch für den gesamten Betrieb

Außenstehende Pferdehalter sollten mit ihren Pferden den betroffenen Betrieb oder gemeinsame Anlagen wie zum Beispiel Reitplätze gänzlich meiden. Es ist empfehlenswert, den gesamten Personenverkehr einer betroffenen Reitanlage auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. 

Personen wie Tierärzte, die zwangsläufig den Betrieb betreten müssen, sollten in jedem Fall sämtliche Instrumente und Kleidung vor und nach Betreten jeder Anlage desinfizieren.

Die Quarantäne sollte noch vier Wochen nach Auftreten des letzten Krankheitsfalls aufrechterhalten werden. Gibt es in dieser Zeit keine neuen Herpesfälle, kann die Stallanlage desinfiziert und im Anschluss wieder eröffnet werden. Auch die im Stall betroffenen Pferde können nach überstandener Krankheit wieder zu den gesunden Pferden verlegt werden.

Pferdeherpes vorbeugen

Eine Infektion mit dem Equinen Herpesvirus kann nicht vollständig vermieden werden. Es können aber Maßnahmen getroffen werden, um einer Ansteckung des Pferdes zumindest vorzubeugen beziehungsweise einem Krankheitsausbruch entgegenzuwirken.

Impfung gegen Herpes bei Pferden 

Die wichtigste Maßnahme gegen die Verbreitung des Virus ist die Impfung.

Ein Pferd/Fohlen sollte frühestens mit vier bis sechs Monaten das erste Mal gegen Herpes geimpft werden.

Es existieren Impfstoffe gegen EHV1 und EHV4, sowohl einzeln als auch in Kombination. Die Kosten der Impfung belaufen sich auf rund 40 bis 60 Euro pro Pferd. Die genauen Preise sind jedoch je nach Hersteller des Impfstoffs unterschiedlich und hängen außerdem vom behandelnden Tierarzt ab.

Wie oft Pferde gegen Herpes impfen?

Zunächst muss das Pferd grundimmunisiert werden: Dazu erfolgt eine erste Impfung und nach vier bis acht Wochen eine zweite. Danach muss die Impfung alle sechs Monate aufgefrischt werden. 

Tragende Stuten sollten außerdem im fünften, siebten und neunten Monat der Trächtigkeit geimpft werden, um einem Abort vorzubeugen.

Ziel der Impfung gegen Pferdeherpes

Durch eine Impfung kann leider kein vollkommener Schutz gegen die Herpeserkrankung erreicht werden. Sie dient in erster Linie dazu, die Ausscheidung der Erreger zu reduzieren und so den Infektionsdruck für andere Pferde zu mindern. 

Aus diesem Grund wird von Experten angeraten, immer den gesamten Bestand eines Pferdestalls zu impfen, da ansonsten einzelne Pferde weiterhin Träger und Ausscheider des Virus sein können. Die Impfung ist keine Pflichtvoraussetzung für die Teilnahme an Turnieren.

Stress reduzieren und Immunabwehr stärken

Eine weitere Maßnahme, um einem Ausbruch des Pferdeherpes entgegenzuwirken, besteht darin, extreme Stresssituationen für das Pferd zu vermeiden. Dazu gehören für manche Pferde beispielsweise die Teilnahme an Turnieren oder der Transport im Pferdehänger.

Es ist wichtig, die Pferde bei optimaler Gesundheit zu halten, um dem Herpesvirus nicht die Chance zum Ausbruch zu geben. Dazu gehört, dass die Pferde regelmäßig entwurmt werden und eine angemessene, ausgewogene Fütterung und Pflege erhalten.

Pferde mit einem intakten Immunsystem können sich effektiver gegen das Herpesvirus zu Wehr setzten als immunschwache Tiere.

Aktualisiert: 28.09.2017 – Autor: Pia Fraté

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