Osteopathie beim Pferd – eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin

Pferdeosteopathie ist eine manuelle Therapiemethode, mit der sich verschiedenste Probleme beim Pferd behandeln lassen. Osteopathen sollten gut ausgebildet sein.

Pferd bei der Osteopathie © Silke Hamann

Nicht nur in der Humanmedizin kommen sogenannte alternative Therapiekonzepte immer mehr zum Einsatz und gewinnen zunehmend an Anerkennung. Auch in der Tiermedizin und hier vor allem in der Pferdepraxis erfreuen sich manuelle Therapieformen wie Chiropraktik und Osteopathie immer größerer Beliebtheit. Bei der Pferdeosteopathie geht es nicht nur um die Heilung bestehender Krankheiten, sondern auch um die präventive Gesundheitsvorsorge. Gerade Sportpferde, denen hohe körperliche Belastungen abverlangt werden, profitieren von der manuellen Behandlung als integrativer Bestandteil ihrer medizinischen Vorsorge. Zusätzlich kann die Leistungsfähigkeit durch Osteopathie häufig noch gesteigert werden.

Was bedeutet Osteopathie?

Der Begriff "Osteopathie" nimmt seinen Ursprung bereits in der Antike und leitet sich aus zwei griechischen Wörtern ab: "osteon", gleichbedeutend mit "Knochen", und "pathos", was so viel wie "Leiden" bedeutet. Im 19. Jahrhundert wurde die Osteopathie in Amerika als Therapieform für den Menschen weiterentwickelt und wird seit den 70er Jahren auch bei Pferden angewendet.

Was tut ein Osteopath?

Bei der Osteopathie geht es darum, den Körper des Pferdes als eine Einheit wahrzunehmen, in der alle Strukturen und Organe zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen. Der Pferdeosteopath führt sowohl seine Untersuchung als auch die Behandlung ausschließlich mit seinen Händen durch. Er ertastet Einschränkungen in der Beweglichkeit der Gelenke und Muskeln und löst diese durch spezielle Techniken. 

Die Verbesserung der Biomechanik des Bewegungsapparats wirkt sich aufgrund der Verknüpfung aller Strukturen des Organismus in der Folge auch auf das Nerven-, Atem-, Verdauungs- und Herz-Kreislauf-System aus. Die Effekte der osteopathischen Behandlung sind daher ganzheitlich.

Pferde sind dem Menschen in ihrer Anatomie letztendlich sehr ähnlich, auch wenn sie sich als Vierbeiner bewegen. So gleichen sich der prinzipielle Aufbau des Skeletts, die Funktion und Physiologie der Muskeln und des Nervensystems. Daher kann die Osteopathie für Pferde genauso angewendet werden wie für Menschen.

Wann braucht mein Pferd Osteopathie?

Die Osteopathie ist eine Therapie, die bei Pferden zur Vorsorge von Krankheitsgeschehen eingesetzt werden kann, aber auch zur Behandlung von akuten Einschränkungen des Bewegungsapparates und bei chronischen Erkrankungen.

Bei folgenden Indikationen ist es sinnvoll, einen Pferdeosteopathen zu konsultieren:

  • Taktfehler
  • Steifheit beim Reiten oder Longieren
  • Unwilligkeit, sich auf einer oder beiden Händen zu biegen
  • Rittigkeitsprobleme, bei denen Fehler des Reiters ausgeschlossen werden können
  • Leistungsabfall
  • nach einem Unfall oder Sturz
  • Verweigern am Hindernis, für das keine andere Ursache ermittelt werden kann
  • Lahmheiten
  • nach Schwergeburten
  • Anzeichen von Schmerz vor, während oder nach der Arbeit
  • Probleme beim Hufe aufnehmen
  • im Zuge einer Rehabilitation, zum Beispiel nach einer Operation oder Verletzung
  • Rückenprobleme

Vor der osteopathischen Behandlung

Da die Osteopathie beim Pferd den Anspruch hat, ein umfassendes Therapiekonzept zu sein, muss vor der Behandlung eine gründliche Untersuchung erfolgen. Dazu gehört zunächst ein ausführliches Gespräch des Therapeuten mit dem Besitzer, in dem die Anamnese, das heißt die Vorgeschichte des Pferdes erfasst wird.

Des Weiteren sollte sich der Pferdeosteopath das Pferd zunächst in Bewegung zeigen lassen, wenn nötig auf verschiedenem Untergrund (hart/weich) und eventuell auch unter dem Reiter.

Die osteopathische Behandlung selbst

Nach dem Beobachten beginnt der Therapeut, das Pferd abzutasten und so zu registrieren, an welche Stellen es Bewegungseinschränkungen hat. Anzeichen für Probleme am Bewegungsapparat können neben verminderter Beweglichkeit auch verhärtete Muskeln, vermehrte Wärme und Schwellung bestimmter Körperpartien sein.
Auch die Ausrüstung, das heißt Sattel und Zaumzeug, kann die Ursache von Problemen sein und wird daher vom Osteopathen oftmals ebenfalls begutachtet.

Während der Behandlung mobilisiert der Osteopath die Gelenke am stehenden Pferd durch Druck und Zug mit seinen Händen. Zudem führt er teilweise auch Übungen durch, bei denen zum Beispiel die Beine aufgehoben und gedehnt werden. 

Dauer und Anzahl der Behandlungen

Der Therapeut sollte sich gerade bei der ersten Behandlung ausreichend Zeit nehmen, das Pferd zu untersuchen und zu behandeln. Dies kann unterschiedlich lange dauern, da jedes Pferd individuell ist – die Dauer einer Sitzung kann daher variieren. Je regelmäßiger ein Pferd osteopathisch behandelt wird, desto kürzer können die Sitzungen ausfallen, da der Osteopath das Pferd und seine Problemstellen bereits kennt und gezielt behandeln kann.

Vielen Pferden ist bereits nach einer ersten osteopathischen Behandlung geholfen und es ist eine deutliche Besserung der Probleme zu beobachten. Dennoch ist es sinnvoll, auch vermeintlich gesunde Pferde regelmäßig osteopathisch durchchecken zu lassen, um das Entstehen von Problemen im Bewegungsapparat frühzeitig zu erkennen beziehungsweise dem vorzubeugen.

Nach der Behandlung

Durch spezielle Techniken löst der Pferdeosteopath Bewegungssegmente, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Er setzt damit Impulse, die dem Körper helfen sollen, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Es kann daher beim Pferd zu Muskelkater nach der Osteopathie kommen.

Es ist außerdem möglich, dass es dem Pferd nach der Osteopathie zunächst schlechter geht. Dies passiert zum Beispiel häufig, wenn ein Pferd über einen längeren Zeitraum eine Bewegungseinschränkung an einer bestimmten Stelle hat und sein Körper versucht, durch erhöhte Beweglichkeit an anderer Stelle damit zurecht zu kommen. Dieses Phänomen wird Kompensation genannt. 

Durch die osteopathische Behandlung wird der Kompensationsmechanismus unterbrochen, um dem Pferd wieder eine korrekte Bewegung aller Segmente zu ermöglichen. Es braucht dann manchmal einige Zeit, bis sich der Organismus an die "neue", eigentlich ursprüngliche und korrekte Beweglichkeit gewöhnt hat.

Pferd lahmt nach osteopathischer Behandlung

Tritt bei einem Pferd nach einer osteopathischen Behandlung eine Lahmheit auf, sollte geklärt werden, ob diese in unmittelbarem Zusammenhang mit der Behandlung steht oder ob ein anderes Ereignis als Ursache infrage kommt.

Möglicherweise kommt die Lahmheit zum Vorschein, da durch die Osteopathie die Kompensationsmechanismen aufgebrochen wurden, die eine Lahmheit zuvor verdeckt haben. In jedem Fall sollte der Pferdeosteopath kontaktiert und im Zweifelsfall eine Lahmheitsuntersuchung durch den behandelnden Tierarzt durchgeführt werden. Gemeinsam mit Tierarzt und/oder Osteopath sollte dann über das weitere Vorgehen beraten werden.

Pferd nach Osteopathie bewegen

Der Körper des Pferdes erhält bei einer osteopathischen Behandlung sehr viele neue Reize, die er erst einmal verarbeiten muss. Dazu sollte ihm der Besitzer die nötige Zeit einräumen und das Pferd in den folgenden zwei Tagen nicht reiten. 

Das Pferd sollte aber trotzdem die Möglichkeit haben, sich frei zu bewegen – sei es auf der Weide, in der Halle oder an der Longe. Auf keinen Fall sollte das Pferd ausschließlich in der Box stehen und ohne Bewegung sein.

Was macht einen guten Pferdeosteopathen aus?

Die Bezeichnungen Osteopathie und Chiropraktik sind derzeit in Deutschland keine gesetzlich geschützten Begriffe. Auch die Ausbildung zum Pferdeosteopathen oder -chiropraktiker ist gesetzlich nicht geregelt. Um sicher zu gehen, dass es sich um eine seriöse und qualifizierte Person handelt, sollte daher bei der Wahl des Therapeuten auf einige grundlegende Voraussetzungen geachtet werden.

Dazu gehören:

  • eine fundierte Ausbildung an einem renommierten Ausbildungsinstitut
  • regelmäßige Fort- und Weiterbildungen
  • bereitwillige Zusammenarbeit mit Tierarzt, Hufschmied, Physiotherapeut, Zahnarzt und Trainer
  • individuelle Behandlung mit umfassender Anamnese bei Erstbesuch
  • transparentes Vorgehen: der Therapeut sollte dem Besitzer erläutern können, welche Probleme das Pferd hat und was er dagegen tut

Wie finde ich einen kompetenten Osteopathen?

Bei der Wahl eines guten Pferdeosteopathen helfen die Therapeutenlisten angesehener Institute und Verbände. Zu diesen zählen das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) sowie die Deutsche Gesellschaft für Pferdeosteopathie und Pferdephysiotherapie (DGPO). 

Bei diesen renommierten Schulen ist das Studium der Tiermedizin, Medizin oder eine Ausbildung als Physiotherapeut Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Ausbildungsprogramm. Das intensive Studium beziehungsweise die Ausbildung über mehrere Jahre und die dadurch erworbenen medizinischen Kenntnisse und Erfahrungen qualifizieren Tierärzte, Ärzte und Physiotherapeuten in hohem Maße für eine Weiterbildung in manuellen Behandlungsformen.

Aber es ist für auch Personen, die keine Basisausbildung besitzen, möglich, Pferdeosteopath zu werden.

Kosten einer osteopathischen Behandlung beim Pferd

Die Preise für Osteopathie beim Pferd variieren sehr stark und werden teilweise unterschiedlich festgesetzt. Bei manchen Pferdeosteopathen ist die Anfahrt schon im Preis inbegriffen, bei anderen wird sie extra berechnet. Auch zwischen Erst- und Folgebehandlung wird oftmals unterschieden und auch dabei können die Preise variieren. 

Eine Spanne von 80 bis 200 Euro pro Sitzung ist nicht ungewöhnlich. Bei der Wahl des Osteopathen sollte daher berücksichtigt werden, was der Besitzer bereit ist, zu investieren und welche Qualifikationen der Pferdeosteopath mitbringt.

Chiropraktik, Osteopathie oder Physiotherapie?

Für viele Pferdebesitzer stellt sich die Frage, welche manuelle Therapie für ihr Pferd die richtige ist. Was ist der Unterschied zwischen Osteopathie und Physiotherapie für Pferde? Was ist Chiropraktik und sollte man lieber den Osteopathen oder den Chiropraktiker konsultieren?

Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten, da die Wahl des passenden Behandlungskonzepts immer individuell für jedes Pferd und anhand dessen Krankheitsgeschichte getroffen werden muss. 

Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass die genannten Behandlungsformen alle eine sehr ähnliche Zielsetzung haben und diese lediglich mit unterschiedlichen Mitteln beziehungsweise Techniken zu erreichen versuchen. Gemeinsame Basis bildet dabei der Einsatz der Hände zur Mobilisierung des Bewegungsapparats und zur Gesunderhaltung des gesamten Organismus.

Energetische Osteopathie

Bei der energetischen Osteopathie handelt es sich um eine eher spirituelle Therapieform, die sich neben der körperlichen Gesundheit vor allem auf die geistige und seelische Gesundheit des Pferdes fokussiert.

Welches Behandlungskonzept ist für mein Pferd das richtige?

Oftmals ist es allerdings gar nicht notwendig, sich im Vorhinein für eine Behandlungsform zu entscheiden, da viele Therapeuten in mehreren Therapiekonzepten ausgebildet sind und diese auf das jeweilige Pferd abgestimmt anwenden und kombinieren können.

Aktualisiert: 20.07.2018 – Autor: Pia Fraté

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