Zahnprobleme beim Pferd: Anzeichen und Ursachen

Koppergebiss bei einem Pferd © Silke Hamann

Obwohl Zahnprobleme nicht das erste sind, woran bei typischen Pferdekrankheiten gedacht wird, sind sie bei Pferden recht häufig. Daher sollten die Zähne regelmäßig von einem Tierarzt kontrolliert werden. Neben Karies und Zahnstein sind Haken und Kantenbildung durch fehlerhafte oder mangelhafte Abnutzung typische Zahnprobleme beim Pferd. 

Kleinere Probleme lassen sich mit regelmäßiger Zahnpflege leicht in Schach halten. Da die Zähne immer wieder nachwachsen, sind aber meistens Behandlungen in regelmäßigen Abständen erforderlich. Inzwischen gibt es auch einige als Zahnarzt für Pferde spezialisierte Tierärzte in Deutschland. 

Anzeichen für Zahnprobleme beim Pferd

Zahnprobleme beim Pferd sind nicht immer leicht zu erkennen. Die Tiere zeigen häufig nicht deutlich, dass sie Zahnschmerzen haben und Symptome treten meist erst auf, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist. 

Erste Anzeichen für Zahnschmerzen sind Fressunlust und verminderte Futteraufnahme. Im weiteren Verlauf kann es zur Gewichtsabnahme kommen.

Weitere Anzeichen für schmerzende Zähne beim Pferd können sein:

  • Wenig verdaute Futterfasern im Kot können ein Hinweis auf mangelhaftes Kauen aufgrund von Zahnschmerzen sein.
  • Auch Durchfall kann ein Problem der Zähne als Ursache haben.
  • Speicheln ist ebenfalls charakteristisch für Zahnschmerzen.
  • Ebenso kann Mundgeruch auf schmerzende Zähne hindeuten.

Das sogenannte Priemen (oder auch: Wickelkauen) kann ebenfalls ein Zeichen für Zahnschmerzen sein. Dabei fallen Futterballen wieder aus dem Maul heraus. Die Ursache sind Schmerzen beim Kauen. Dieses Ausspucken von Futter ist nicht zu verwechseln mit Husten, welches normalerweise nicht durch Zahnprobleme verursacht wird.

Anzeichen für Zahnschmerzen beim Reiten

Auch beim Reiten können sich Zahnprobleme bemerkbar machen. Widerstand des Pferdes gegen das Gebiss der Trense und Kopfscheue sowie vermehrtes Kopfschlagen können Anzeichen für Zahnschmerzen sein. 

Allerdings sind diese Symptome alle sehr unspezifisch und können unter Umständen auch ganz andere Ursachen haben. Unwilligkeit beim Reiten hängt beispielsweise auch oft mit Problemen im Rücken des Pferdes zusammen.

Zähneknirschen kann durch Blockaden im Kiefergelenk ausgelöst werden. In der Regel wird es jedoch eher mit Stress in Verbindung gebracht. Beim Reiten können zum Beispiel Schmerzen durch einen zu eng geschnallten Nasenriemen das Zähneknirschen auslösen. 

Zähne zeigen – nur selten Hinweis auf Zahnschmerzen

Auch Zähne zeigen wird manchmal als Hinweis auf Zahnschmerzen gedeutet. Hierbei handelt es sich jedoch in der Regel nicht um ein Anzeichen von Zahnproblemen. 

Das Zähne zeigen kann beim Pferd verschiedene Gründe haben. Zunächst muss man unterscheiden zwischen der Drohgebärde und dem Flehmen. Ein drohendes Pferd bleckt gelegentlich die Zähne, wobei es die Mundwinkel nach hinten zieht. Das Flehmen dient der Aufnahme von Gerüchen. Dabei wird der Kopf gestreckt und die Oberlippe weit nach oben gezogen. Manche Pferde zeigen dieses Verhalten auch bei Schmerzen, zum Beispiel bei einer Kolik. Es ist aber kein spezifisches Symptom für Zahnschmerzen. 

Zeigt das Pferd beim Kauen die Zähne, kaut also mit geöffnetem Maul, ist dies ein Zeichen für Unterwerfung. Fohlen tun dies beispielsweise in Gegenwart ranghöherer Pferde, um sie zu beschwichtigen.

Zahnprobleme bei jungen Pferden

Bei jungen Pferden bis zum siebten Lebensjahr können durch den Zahnwechsel Zahnschmerzen auftreten, die durch das Nachwachsen der neuen Zähne entstehen. Dies ist normal und nicht therapierbar. Bei besonders empfindlichen Pferden empfiehlt sich aber eine Beratung mit dem Tierarzt. 

Trotzdem sollte bei Anzeichen von Zahnschmerzen immer eine Kontrolle der Zähne erfolgen. 

Es kann gelegentlich vorkommen, dass bei jungen Pferden persistierende Milchkappen (also Überreste der Milchzähne) auf den bleibenden Zähnen auftreten. Diese können vom Tierarzt leicht entfernt werden. Ein größeres Problem stellen persistierende Milchzähne dar. Sie müssen gegebenenfalls gezogen werden.

Schmerzen durch Wolfszähne bei jungen Pferden

Probleme mit den Wolfszähnen kommen typischerweise ebenfalls eher bei jüngeren Pferden vor. Häufig verursachen sie Schmerzen, wenn das Pferd ein Gebiss im Maul hat. So kommt es zu Problemen beim Reiten. Auch Kauprobleme können durch die Wolfszähne hervorgerufen werden. 

Eine Entfernung dieser kleinen Backenzähne ist unkompliziert und kann in der Regel unter Lokalanästhesie erfolgen, da diese Zähne nur sehr kurze Wurzeln haben.

Kieferzysten und Zahnfleischentzündungen bei jungen Pferden

Beim Zahndurchbruch kann es außerdem gelegentlich zu Kieferzysten kommen. Dabei handelt es sich um feste, schmerzlose Schwellungen, die vor allem im Unterkiefer um die Zahnwurzeln des zweiten und dritten Backenzahnes auftreten. Sie werden mit dem Alter kleiner, sodass keine Behandlung nötig ist.

Zahnfleischentzündungen können im Zusammenhang mit dem Durchbrechen der oberen Schneidezähne entstehen. Sie zeichnen sich aus durch eine Schwellung des harten Gaumens und verschwinden in der Regel wieder, wenn die Zähne vollständig durchgebrochen sind.

Zahnprobleme bei alten Pferden

Hakenbildungen treten eher bei älteren Pferden auf. Sie entstehen vor allem dann, wenn Ober- und Unterkiefer nicht genau aufeinanderpassen. Normalerweise ist der Oberkiefer beim Pferd etwas breiter, sodass die Haken charakteristischerweise im Oberkiefer an der Außenseite der Backenzähne auftreten und im Unterkiefer an der Innenseite, weil der Abrieb mit dem gegenüber liegenden Zahn an diesen Stellen fehlt. 

Die Haken können schmerzhafte Zahnfleischverletzungen hervorrufen und behindern das Pferd beim Kauen. Daher müssen sie regelmäßig abgeraspelt werden. Haben sich bereits scharfe Kanten gebildet, kann ein abschleifen nötig sein. Vom Abkneifen der Haken mit einer Zange ist dagegen dringend abzuraten. Diese Methode ist veraltet, da die Gefahr von Zahnfrakturen (Brüchen) besteht. 

Zahninfektionen bei Pferden

Zahninfektionen beim Pferd können verschiedene Ursachen haben und kommen überwiegend bei alten Pferden, aber gelegentlich auch bei jungen Pferden vor. Die Entzündung kann von der Zahnwurzel oder dem Zahnfleisch ausgehen, beispielsweise infolge von Verletzungen durch spitze Haken. Aber auch eine defekte Entwicklung oder eine Zahnfraktur können Infektionen nach sich ziehen. 

Die Symptome sind je nach Empfindlichkeit des Pferdes sehr unterschiedlich. Schwellung, Futterverweigerung und Mundgeruch können Hinweise sein, ebenso eine erhöhte Körpertemperatur bedingt durch die Entzündung. Seltener ist auch Eiter sichtbar. In schwerwiegenderen Fällen kann einseitiger Nasenausfluss auftreten. 

Infizierte Zähne müssen gezogen werden. Dafür ist bei Pferden aufgrund der langen Zahnwurzeln eine starke Sedierung oder sogar eine Vollnarkose notwendig. Außerdem sollten Schmerzmittel gegeben werden.

Fehlbisse bei Pferden

Wie bei anderen Tieren auch, kann beim Pferd ein Über- oder Unterbiss auftreten, also ein verkürzter Unter-, beziehungsweise Oberkiefer. 

Zudem unterscheidet man beim Pferd verschiedene Gebissfehlstellungen:

  • Das Karpfengebiss ist ein anderer Ausdruck für einen Überbiss. Diese Fehlstellung ist angeboren, die Ursache ist unbekannt. In schweren Fällen ist im Fohlenalter eine operative Korrektur möglich. Dies ist sinnvoll, da es ansonsten zu Problemen bei der Futteraufnahme kommen kann, vor allem beim Grasen, wenn sich die oberen und unteren Schneidezähne gar nicht mehr berühren.
  • Vom Stufengebiss spricht man, wenn sich an den Kauflächen der Backenzähne durch unregelmäßige Abnutzung eine Stufe gebildet hat. Die häufigste Ursache ist der Verlust eines Backenzahns. Dem gegenüberliegenden Zahn fehlt dann der Partner zum Abreiben. Eine Stufenbildung verläuft zunächst symptomlos, kann aber je nach Ausprägung zum Priemen und zu herabgesetzter Kautätigkeit führen. Um schmerzhafte Kantenbildungen zu vermeiden, ist dann regelmäßiges Raspeln der Zähne erforderlich.
  • Ein Wellengebiss stellt die Weiterentwicklung eines Stufengebisses dar. Der Name liegt darin begründet, dass keine durchgehend ebene Mahlfläche der Backenzähne mehr vorhanden ist. Neben unregelmäßiger Abnutzung und Zahnschmelzhaken kann auch ein irreguläres Durchbrechen der Zähne die Ursache sein. Eine Korrektur durch Raspeln ist in diesem Stadium oft nur noch begrenzt möglich.
  • Von einem Scherengebiss spricht man, wenn der Winkel der Kauflächen zu steil ist. Es liegt eine Abschrägung vor, die zur Bildung von scharfen Schmelzkanten an den Rändern führt. Dieser Fehlbiss ist das Resultat eines schon länger bestehenden Zahnproblems, bei dem Kautätigkeit und Abnutzung eingeschränkt wurden. Eine Korrektur ist in fortgeschrittenem Stadium oft kaum noch möglich.

Bei Pferden, die koppen, lässt sich zudem häufig eine übermäßig starke Abnutzung der Schneidezähne feststellen (Koppergebiss).

Aktualisiert: 19.05.2017 – Autor: Malin Held

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